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Knaupps Kolumnen

Ich bin jetzt wieder da

Na toll, ich kann es mir nicht leisten, für einige Wochen abzutauchen. Den ganzen Januar über war es medial stinke langweilig. Nichts, aber auch gar nichts passierte. Doch kaum bin ich urlaubstechnisch und influenzabedingt mal abwesend, schon rumst es hier nach Strich und Faden. Alle sind dabei, bloß ich wieder nicht.
Da tritt der fast siebzigjährige Politiker Rainer Brüderle eine Sexismus-Debatte los, dass es nur so kracht. Ausgerechnet eine Stern-Journalistin ist Opfer des lüsternen FDP-Opas. Das arme Opfer war so geschockt, dass dieser frauenfeindliche Akt umgehend an die Öffentlichkeit gebracht werden musste. Nun gut, als Stern-Journalistin ist die Öffentlichkeitsarbeit wohl relativ leicht zu steuern. Alle Medien steigen mit ein und plötzlich ist klar - die Frauen in unserem Land leiden unter sexistischer Diffamierung. Viele Frauen wussten das vor dieser Debatte gar nicht. Zum Glück ist es jetzt endlich an das Licht der Öffentlichkeit gekommen. Leider war ich nicht dabei.
Dann stürmt die schwarzbraune Haselnuss mit dem platinblonden Haarteil mit einem Rockalbum die Musikcharts. Der verlässliche schlechte Geschmack Deutschlands wird plötzlich Rocker, covert Hits und macht sie damit unhörbar. Und was tut die Medienlandschaft? Die feierte Heino, als hätte er das Rad neu erfunden. Zum Glück war ich nicht dabei.
Sogar Papst Benedikt nutzte meine Abwesenheit, um sich aus dem Staub zu machen. Er zieht einen Schlussstrich, gibt seinen Rücktritt bekannt und wenn Sie diese Kolumne lesen, hat er sich längst vom römischen Gottesacker gemacht. Während meiner schweißgebadeten Bettlägerigkeit gewinnt das Pferd als Fleischlieferant an Stellenwert. In Tiefkühlprodukten hält es Einzug in heimische Kühlschränke, selbst zu Ikea-Hackbällchen soll das Hottehü verarbeitet worden sein. Und jetzt, wo auch ich gern mal eine Rappenlasagne kosten würde, sind diese Delikatessen wieder vom Markt genommen.
Der Februar bescherte uns noch den sogenannten Eier-Skandal, bei dem aus hochwertigen Bio-Eiern plötzlich schnöde Betrugsobjekte wurden. Und ich war leider wieder nicht dabei.
Jetzt haben wir den Monat März, und ich hoffe, es geht weiterhin so skandalträchtig zur Sache.
Ich würde es aber absolut toll finden, wenn jetzt noch rauskäme, dass diese falsch deklarierten Bio-Eier gar nicht von Legehennen, sondern von den genmanipulierten Tiefkühlschlachtpferden stammen würden - das wäre ein Skandal, wie ich ihn mag.
Und was könnte ich dann darüber alles schreiben. Denn schließlich bin ich jetzt wieder da.