Zeitung lesen
Knaupps Kolumnen

Verfluchte Gnitzen

Also, zur Zeit bin ich irgendwie leicht angreifbar. Ich denke, daran sind diese verfluchten Gnitzen schuld. Sie wissen schon, ich meine diese fiesen kleinen Mückenimitatoren, die statt eines kleinen Stiches gleich ganze Fleischstückchen aus der menschlichen Haut herausreißen. Mit Schmerz, Pein, Juckreiz und Wutausbrüchen reagiere ich auf die tätlichen Übergriffe, denen meine unbekleideten Männerwaden in den letzten Tagen ausgesetzt sind. Gnitzen nerven.

Meine ehemals normalgestalteten Unterteile der schenkelbetriebenen Fortbewegungsmittel sehen mittlerweile aus wie zwei runzligbehaarte Genmanipulationen. Deformiert, verbeult und zerkratzt bieten sie einen gar traurigen Anblick.

Moment, das habe ich gehört! Sie murmelten beim Lesen meiner Zeilen gerade: „Typisch der Knaupp, die Welt spielt verrückt und der philosophiert hier über seine angeschwollenen Waden. Was für ein Weichei."

Na toll, ich schreibe mir hier 'nen Ast, lege meine Gefühle offen – und Sie reagieren so abfällig.

Klar, könnte ich über das Erschrecken schreiben, welches das Massaker an über 100 Zivilisten in Syrien bei mir auslöste. Da wäre auch die Panne im bulgarischen Atomkraftwerk Kosloduj, die beängstigende Gefühle in mir weckte. Sicher könnte ich über solche Themen schreiben, wie die lächerliche Zarenwahl in Russland und die damit verbundenen Knüppeleinsätze gegen Regimekritiker, die zarte demokratische Behandlung des Massenmörders in Norwegen, die erneuerten Unruhen bei den Präsidentenwahlen in Ägypten, die weiteren 50 Milliarden Euro für griechischen Banken aus dem Euro-Rettungsschirm, den drohenden Schulden-Abgrund in Spanien oder die heftigen Erdbeben in Italien.

Ich könnte über die neue Studie des Kinderhilfswerks Unicef schreiben, welche besagt, dass in den reichen Industrieländern mindestens 30 Millionen Kinder in Armut leben. Oder aber über das LINKE Puppentheater um Macht und Parteivorsitz, über das Energiewende-Projekt der Kanzlerin, welches ein Milliarden-Fiasko zu werden scheint, über Sodom und Gomorrha, über Gomorrha und Sodom, etc., etc.

Sicherlich könnte ich schreiben, dass gerade zur Spargelzeit das Wort „Urinstinkt" mit Betonungsänderung eine neue Bedeutung erhält.

Aber nee, dazu habe ich wirklich keine Lust. Suchen Sie sich doch selbst ihre Denkanstöße. Ich bleibe bei meinen Gnitzen.

Die Besonderheit dieses blöden Viehzeugs ist die Größe. Nur ein bis drei Millimeter lang, sind sie doch extrem blutrünstig. Wie meine Selbstversuche bewiesen, können sie aus menschlichen Extremitäten unansehnliche Matschmuskeln machen. Manche Gnitzenweibchen leben sogar als Kannibalen. Sie knabbern nicht nur bevorzugt an Männerwaden, sie machen selbst vor dem eigenen Gnitzenmännchen nicht Halt. Nach erfolgreicher Begattung hat der Gnitzenkerl dann nichts mehr zu lachen.

Falls Sie in meinem letzten Absatz wieder einen unterschwelligen Denkanstoß vermuten, muss ich Sie enttäuschen. Mir ging es in dieser Kolumne ausschließlich um die verfluchten Gnitzen.