Es herbstet sehr

So, nun sind wir wirklich schon im Herbst angekommen. Dabei habe ich den Sommer gar nicht bemerkt. Obwohl, letztes Wochenende waren die Temperaturen ja sommerlich - aber es war eben schon kalendarischer Herbst. Aber vielleicht folgt ja einem herbstlichen Sommer ein sommerlicher Herbst. Ich wäre dafür. Bei einem Herbst, der sommerliche Hitze verbreitet, lägen die Vorteile klar auf der Hand. Endlich würde der wassergetränkte ekelhaft grüne mähintensive Rasen sich in ein verbranntes Sommergelb verwandeln. Wir könnten die Grillsaison 2011 eröffnen, ohne dass beim Bratwurstwenden ein Regenguss die Briketts löscht oder gar die Grillzange an der Hand festfriert. Die Wärmedecke und das Feinrippleibchen könnten noch im Schrank verweilen, wir könnten nackt und ungehemmt unsere Freizeit an den heimischen Seen genießen. Die kälteempfindlichen Zugvögel würden noch nicht die Flucht ergreifen, dadurch würde mein Auto nicht von den Flüchtlingen mit Exkrementen beballert.
Apropos, Exkremente. Geht es Ihnen auch immer so, dass gerade das frisch gewaschene Fahrzeug Ziel eines feisten Fäkalanschlages wird? Ich frage mich wirklich, woher wissen die Viecher, wann ich mit meinem fahrbaren Untersatz aus der Waschanlage komme? Da steht mein Wagen wochenlang unter freiem Himmel und nichts passiert. Quasi - staubig aber unbekackt. Habe ich dann wirklich mal das Bedürfnis, die original Wagenfarbe durch Waschung der Öffentlichkeit zu präsentieren, dann kann ich sicher sein, dass noch am Reinigungstag irgendwelche Flugterroristen zielgenau mein Heisswachsschönchen bombardieren. Das prangere ich an!
Themawechsel. Haben Sie eigentlich gewusst, dass unser Brandenburg wieder der abgeschafften Monarchie huldigt? Ich bis vor kurzem auch nicht. Aber der rbb hat es öffentlich gemacht. Die Live-Übertragung des Rundfunks Berlin-Brandenburg zur Trauung des Georg Friedrich Prinz von Preußen und Sophie Prinzessin von Isenburg in der Potsdamer Friedenskirche gilt wohl jetzt schon als die Perle des TV-Jahres 2011. Endlich sind wir wer, endlich sind wir auch ein bißchen adlig. Auch wir haben Adelsexperten, Adels-Berichterstatter und Fanfarenbläser. Auch wir haben weibliche Hochzeitsgäste mit Hüten, die wie riesigbunte Gleitschirme aussehen und männliche Hochzeitsgäste mit Pinguinjäckchen. Auch wir haben Prinzen, Fürsten, Grafen (Ministerpräsident Deichgraf war auch geladen), Prunk und Pomp. Und wir zahlen GEZ-Gebühren, um solcherart majestätische Vereinigung live zu erleben - oder aber um wegzuschalten.
Doch zurück zum Herbst. Gerade lese ich, das Tief Erich bringe den Herbst nach Deutschland. Wechselhaftes, windiges Wetter mit einzelnen Schauern, lebhaften Windböen und abkühlenden Temperaturen. Na toll, es wird wohl nichts aus dem sommerlichen Herbst. Der Rasenmäher bleibt in Betrieb, die Grillsaison ist beendet, der Baumwollschlüpfer bekommt Priorität, FKK gibt es nur noch in der heimischen Wanne - und mein Auto wird mit Fäkalien beworfen.
Na toll, es herbstet sehr.