Zeitung lesen
Knaupps Kolumnen

Haß tötet


Am 11. September hat sich die Welt verändert. Eine neue Zeitrechnung ist angebrochen - die Zeit nach den Anschlägen auf die USA. Die Zeit nach dem Tag, an dem der Terror regierte. Die Zeit nach dem Tag, an dem tausende Menschen durch Haß einen sinnlosen Tod fanden. Es ist eine Zeit, die begreifbar macht, daß die Chaosscala der Weltgeschichte sich immer höher drehen läßt. An die großen todbringenden Geißeln der Menschheit, wie den Hungersnöten, den kriegerischen Schwelbränden auf dieser Welt und Krankheiten wie AIDS, hat sich nun im großen Stil blinder Haß und Extremismus angereiht. In einer Größenordnung, die noch vor wenigen Tagen undenkbar war, mußten wir erneut begreifen, daß es Menschen gibt, die für eine Ideologie, einen Glauben oder eine irre Idee, Menschenleben auslöschen. Die Geschichte der Menschheit hat es immer wieder bewiesen, und durch den Anschlag auf das World Trade Center ist uns auch im neuen Jahrtausend bewußt geworden - Haß tötet. Er tötete wieder Männer und Frauen, er tötete Väter, Mütter und Kinder. Vor wenigen Wochen bin ich Vater geworden. Sicherlich eines der größten und schönsten Erlebnisse, das das Leben bereithält. Ein Augenblick voller Emotionen und starker Gedanken. Liebe erreicht eine andere Dimension, und auch das Wort „Verantwortung" definiert sich plötzlich ganz anders. Man möchte immer für sein Kind da sein, möchte es beschützen und ihm in allen Lebenslagen zur Seite stehen.
Unser Sohn ist jetzt acht Wochen alt. Er weiß zum Glück noch nicht,. was auf der Welt passiert. Er weiß noch nicht, wozu Menschen fähig sind. Er weiß noch nichts von all den Grausamkeiten, die täglich auf unserer Erde geschehen. Und er weiß nichts von meiner Wut, meinen Ängsten, meinen Zweifeln und meiner Ohnmacht.
Es steht außer Frage, daß man der Täter, die hinter diesem Anschlag stecken, habhaft werden muß. Ich möchte aber nicht in der Verantwortung stehen, unserem Sohn irgendwann erklären zu müssen, warum bei der Ergreifung fanatischer Terroristen wieder unschuldige Männer und Frauen, Väter, Mütter und Kinder sterben mußten.
Ich wünschen unseren Kindern und uns allen, daß gerade in den nächsten Tagen, die als Tage der Vergeltung proklamiert werden, die Menschlichkeit und die Besonnenheit nicht wieder von blindem Haß und unüberlegtem Aktionismus verdrängt werden. Denn die Realität hat uns wieder grausam bewiesen - Haß tötet.