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Knaupps Kolumnen

Frauen und Männer passen nicht zusammen!

Frauen und Männer passen nicht zusammen! Wo habe ich dieses Zitat gelesen? Oder habe ich es gehört? Ist da etwas Wahres dran? Nach einigen Überlegungen und Gesprächen mit „Betroffenen" mußte ich feststellen: Es stimmt. Wenn sich zwei Menschen dazu entschließen sich miteinander zu verbandeln, sind sie sich gar nicht bewußt, welche Unterschiede überwunden werden müssen. Das geht schon am Frühstückstisch los. Sie will ihr Ei weich, er hart. Sie will Marmelade, er Schinken. Sie möchte sich unterhalten, er will Zeitung lesen. Oder beim Fernsehen. Sie schmilzt bei „Dirty Dancing" und er verpaßt dadurch die Sportschau. Kriminell wird es aber in der Videothek beim gemeinsamen Aussuchen der Samstag-Abend-Filme. Das geht selten gut. Ich möchte nicht wissen, wieviele Ehen in so einer Videothek schon geschieden wurden. Er will Action-Filme und sie hält sich die ganze Zeit in der „Julia Roberts-Ecke" auf. Er macht Kompromisse und zeigt auf die Horror-Sparte, sie hält ihm „Dornenvögel" unter die Nase. Haben beide diese Klippe umschifft, warten schon tausend andere darauf, das „Zweisamkeitsboot" zum Kentern zu bringen.

Zum Beispiel die Autokaufproblematik. Er will einen Sportwagen der Jugend und Spontaneität vermittelt und die ankommenden „Geheimratsecken" übertüncht, sie will ein sogenanntes Raumwunder, in dem es der angedachte Nachwuchs richtig bequem hat. Dann das Problem mit der Sonntagnachmittagsgestaltung. Sie würde am liebsten ins Grüne fahren, er zieht das Relaxen auf der heimischen Couch vor. Also muß man sich mal wieder einigen. Und einigen heißt in diesem Fall fast immer - spazierengehen. Oder aber das Problem mit der Kleidung. Bei wievielen Männern im ersten Beziehungsjahr die zerrissene Lieblingsjeans und die zwar löchrigen, aber sehr bequemen Haussocken verschwunden sind, ist statistisch nicht mehr erfaßbar. Sie hat aber gleich die passende Lösung. SHOPPEN - ein Wort, daß fast jedem gestandenen Mannsbild das Blut in den Adern gefrieren läßt. Meistens geht es so ab: Sie kauft ein, und er bewundert die Auslagen im Schaufenster. Und obwohl er keinen Laden betreten hat, darf er am Ende des Tages eine besonders modisch geschnittene Hose und karierte Hausschlappen sein Eigen nennen. Die volle Härte der Zweisamkeit erwischt die Pärchen aber beim Weihnachtsfest. Als Rache für das ewige Geschenkesuchen während ihres Singledaseins, haben sich die lieben Verwandten nun etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Da man nun verpaart ist, bekommt -.man natürlich auch ein gemeinsames Geschenk. Und bei den meisten dieser Geschenke verliert man den Glauben an das Fest der Liebe. Man wird überrascht mit solch ungemein tollen Dingen, wie z.B.: einem Gummibaum, einem Türgong mit 180 verschiedenen Melodien oder aber einem in Thüringen erstandenem Nähkästchen. Zum Glück gibt es als Entschädigung nach dem Essen den obligatorischen Magenschnaps. Es dürfen dann ruhig zwei oder drei werden. Dann gibt es da noch das Problem mit der Abendgestaltung. Sie will in eine Disco mal wieder richtig „abzappeln", er hingegen zieht das Bier in kumpliger Gesellschaft vor. Schnell wird ein Einigungsvertrag entworfen, und ab geht es in die Disco mit Bierbar. Da sie aber tanzen will und er mit muß, ist Tanzschweiß fast die einzige Flüssigkeit, die der Abend für ihn bereit hält. Wenn man dann endlich zu Hause ist und sie sich aufs Kuscheln freut, schläft er bereits den Schlaf des „Zertanzten". Ein leidiges Thema ist natürlich auch der Badezimmerkrieg. Sie hält ihn an, die Sanitärkeramik nur noch im Sitzen zu benutzen, er findet in regelmäßigen Abständen Beinbehaarung in seinem Rasierzeug. Und so gibt es noch tausende Punkte, die klar machen: Männer und Frauen passen nicht zusammen!
Und trotzdem fühlen sie sich zueinander hingezogen. Sind es vielleicht gerade die Unterschiede, die den anderen Partner in diesem gleißendem Licht erstrahlen lassen? Ist es vielleicht der Forscherdrang in uns, der uns immer wieder versuchen läßt, diese andere Spezies zu ergründen? Dieses Rätsel wird wohl zu den nie gelösten X-Akten der Weltgeschichte kommen. Und das ist gut so. Denn wenn alles offen vor uns läge, wäre das Leben wahrscheinlich nur halb so spannend.