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Knaupps Kolumnen

Keine Gewähr

Daß ich nicht lache. Von wegen Jahrhundertsommer. Unsere Meteorologen haben uns zwar versprochen, daß dieser Sommer der Sommer überhaupt wird, aber irgendwie läuft da was schief. Bis zu 40°C sollten es werden. Paradiesisch heiß, wie man es sonst nur noch aus Kindertagen oder dem alten Ägypten kennt. Statt dessen versaufen lang geplante Grillabende in Wasserfluten, und am Wochenende rennt man mit gelben Gummistiefeln und roten Plastikeimern in die Wälder, um nach Pilzen zu jagen. Pilze, deren Saison doch eher der Herbstzeit zuzuordnen wäre. Ist schon verrückt, das mit dem Wetter. Nie hält es sich an die Weissagungen der Meteorologen. Ist Meteorologie eigentlich eine Wissenschaft oder etwa ein volkstümlicher Aberglaube? Haben die Voraussager hochmoderne Meßgeräte oder sitzt dort eine grauhaarige, ungarisch sprechende, einäugige Glaskugelseherin aus der Puszta und macht sich Tag für Tag über mich lustig? Und ich, der bis vor kurzem noch an die Seriosität der Wetterberichte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen geglaubt habe, falle immer wieder darauf rein. Nicht nur, daß ich mir die vergangenen Wochenenden sommerurlaubiger vorgestellt habe, ich bin auch regelmäßig falsch angezogen. Wenn zu hören ist: „Die Temperatur sinkt, und es ist mit starken Regenfällen zu rechnen", dann holt man schon mal den dicken Pullover raus. Meistens schwitzt man dann bei prallem Sonnenschein die Schurwolle voll und grübelt über die Schlechtigkeit der Welt. Oder man freut sich auf das angesagte frühabendliche, milde Biergartenwetter und trifft sich leicht beschürzt, mit Freunden in eben so einem. Es dauert nie lange, und der Himmel wird schwarz. In wenigen Minuten sind ausgefranste Sonnenschirme die einzige Rettung vor smartiesgroßen Regentropfen.

Aber gerade in solchen Situationen ist es dann gut, daß es die Wettervorhersagen gibt. Auf die kann man dann schimpfen und meckern, was das Zeug hält. Zur Rehabilitation der Wetterberichte muß man allerdings sagen, daß sich ja eigentlich nicht alles als falsch erweist, was einem in den letzten vier Nachrichtenminuten zugetragen wird. Es stimmt zum Beispiel fast immer wenn der Wettermann am Abend erzählt, wie es am selben Tag tagsüber so wetterte. Für den restlichen Wetterbericht scheint dann aber der bekannte Satz zu gelten: „Für die Richtigkeit der Angaben übernehmen wir keine Gewähr."