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Knaupps Kolumnen

Damals ...

... ich meine die Zeit vor ca. 20 Jahren, in der die Sommerferien noch acht Wochen lang waren, die Zeit, in der die Schulranzen aus starkem Leder gefertigt wurden und die Wassermelonen als Delikatesse galten. Für Leute meines Alters, die damals nicht viel größer waren als besagter Schulranzen und die natürlich noch nichts von innenpolitischen Desastern wußten, eine schöne Zeit. Besonders, was die Ferien anging. Acht Wochen, die komplett ausgefüllt waren. Zwei Wochen FDGB-Familienurlaub, zwei Wochen Ferienlager über Papas Betrieb, zwei Wochen Ferienlager über Mamas Betrieb, zwei Wochen zu Oma und damit in die Ferien auf den Bauernhof. Ferienlager, das hieß bei mir fast immer Ostsee, Familienurlaub war Oybin und die Zittauer Berge, und Oma wohnte ja eh immer an der gleichen Stelle. Natürlich waren unsere Eltern froh, uns das Verreisen bieten zu können, doch was anfangs noch aufregend erschien, verlor über die Jahre seinen Glanz.

Nach ein paar Jahren der Ostseeferien und meinen unzähligen Besteigungen der Zittauer Berge konnte ich diese Regionen nicht mehr sehen. Ich hatte das Gefühl, daß mich an der Ostsee jede Flunder kannte und in Oybin mich schon die Bergschafe grüßten. Nachdem man aus dem Alter der liebgemeinten „Ferienverschickungen" herausgewachsen war, regte sich der Widerstand. In meinem Fall eben gegen die Ostsee und das kleine Gebirge. Nach ein paar weiteren Jahren kam die politische Wende und mit ihr die sogenannte Reisefreiheit. Na, das war was. Frankreich, Spanien, England ...irre. Pizza in Nizza, teurer Rotwein in Perpignon, Samba in Uganda - alles wurde möglich. Was von Interesse war und den Rahmen meines Geldbeutels nicht sprengte wurde gebucht. War meistens auch super. Doch vor kurzem regte sich der Wunsch nach etwas Vertrautem. Also wurde der jugendliche Schwur gebrochen und ab gings nach Oybin. Der Mensch ist schon komisch. Ein paar Erinnerungen, ein bißchen Nostalgie und der etwas andere, älter gewordene Blick, lassen Altbekanntes in einem neuen Licht erscheinen. Es ist fast wie eine Entdeckungsreise in die eigene Kindheit und manchmal auch ein Stück Selbstfindung.
Ich wünsche allen Lesern einen schönen Urlaub, spaßige Ferien und viele neue Entdeckungen, egal in welche Ecke der Welt es Sie zieht.
PS. Ich verbringe meinen Sommerurlaub dieses Jahr in Kühlungsborn - an der Ostsee.