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Knaupps Kolumnen

Vorsicht bissig!

Jetzt gehts zur Sache. Nachdem die Berliner Sozialsenatorin Gabriele Schöttler (SPD) und der Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), im Senat ein Verbot der Zucht und Haltung für sogenannte „Kampfhunde" verlangt haben, ist nichts mehr wie es war. Die emotionalen Wogen bei den Befürwortern und den Gegnern dieses Verbotes könnten nicht höher schlagen. Die eine Seite spricht von „Kampfmaschinen" und „fürchterlichen Waffen", die andere Seite von der „Kampfhund-Lüge" und „Rassen-Diskriminierung". Nachdem in den letzten Jahren die Attacken auf Menschen sich anscheinend häufen, scheint hier jetzt ein Handlungsbedarf zu bestehen. Verständlich, wenn man an die „Beißorgie" in Fürstenwalde oder an so manchen „beißerisch" aufgemachten TV-Beitrag denkt. Verständlich, wenn man unter Handlungsbedarf, den sogenannten Hunderführerschein für Halter und eine Zuchtbefähigung für Züchter verstehen könnte. Verständlich auch, wenn es um eine Leinen- und Maulkorbverordnung in der Öffentlichkeit ginge. Als völlig unverständlich, empfinde ich es aber, komplette Rassen zu „Menschen-Hetzern" abzustempeln und ein Zucht- und Haltungsverbot in Betracht zu ziehen. Frei nach Bayern's Hundepolitik: „Haben wir den Feind erst ausgemacht, wird allen die im ähnlich sehen - der Garaus gemacht". Eigentlich müßte doch allen klar sein, daß hinter jedem aggressiven Hund ein Mensch steht. Ein Mensch, der durch sein Verhalten und seine verschrobenen Erziehungsmethoden das Tier formt und abrichtet. Meines Wissens nach, werden Hunde nicht aggressiv geboren, sie werden aggressiv gemacht.
Es muß sicher etwas getan werden um Beiß-Attacken auf Menschen zu verhindern. Aber bei den Hunden, die letztendlich auch nur Opfer sind, den Hebel anzusetzen halte ich für falsch. Ein Verbot der „auserwählten" Rassen wäre ein Schlag ins Gesicht derer, die sorgfältig und verantwortungsvoll mit Ihren Vierbeinern umgehen.
Sollte es wirklich zu einem Verbot dieser Rassen kommen, stellt sich für mich die Frage was uns als nächstes erwartet. Vielleicht greifen dann besagte zwielichtige Hundehalter auf Schäferhunde zurück? Vielleicht widmen sie sich der „Scharfmachung" von Boxern oder ein findiger Journalist bekommt mit, daß der Spitz im Volksmund als hinterhältig gilt. Ist dann der „Ächtungstanz" aufs neue eröffnet? Werden den ersten „Abschuß-Rassen" weitere folgen? Überlegungen - die vielleicht überzogen und weit hergeholt sind. Vielleicht aber auch nicht.