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Knaupps Kolumnen

Ismirschlecht

Vor ein paar Tagen stand vor mir an der Ampelkreuzung in Beeskow ein kleiner Pkw. Von seiner Heckscheibe leuchtete mir in dicken weißen Buchstaben der Schriftzug „Ismirschlecht" entgegen. Etwas irritiert, ließ ich meinen Gedanken freien Lauf. Was wollte mir der Wageneigentümer mit diesem Ausspruch kundtun? Ging es ihm um die über uns hereingebrochene Rechtschreibreform?

Drückt diese Buchstabenfolge seinen Unmut über den prügelnden Prinz „Wieauchimmer" aus? Hatte der Fahrer versucht in Beeskows Berliner Straße einzukaufen und stand bei vielen der dort bis vor kurzem angesiedelten Geschäften vor verschlossener Tür? Vielleicht hat er aber auch den selben Typ Fernseher wie ich, bei dem, egal wann man ihn einschaltet, immer dieselbe leicht näselnde Frau erscheint und mir irgendwas von ihrem Maschendrahtzaun vorseiert? Oder geht es etwa um unsere ehemalige Regierungspartei, die jetzt in eine gar garstige Spendenaffäre verwickelt ist? Geht es darum, daß jedem Normalverdiener beim Volltanken seines fahrbaren Untersatzes und dem anschließendem Bezahlen fast die Galle überläuft? Eventuell hat ihn aber nur eine Grippe erwischt, und er fühlt sich nicht. Es ist aber auch gut möglich, daß er den Abend zuvor zu lange gefeiert hat und es ihm deshalb etwas unwohl ist. Sollte sich aber diese öffentliche Zustands-Feststellung auf eine der vorher genannten Thematiken beziehen, stimme ich mit ihm voll überein und kann nur sagen - mir auch.