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Knaupps Kolumnen

Querformat ...

Vierzehn Tage ist es nun her, daß der Kreistag nach einem Antrag der SPD-Fraktion zum großen Halali gegen Burgdirektor Herbert Schirmer blasen ließ. Vierzehn Tage, die zeigten, daß nicht nur die Medien ein Interesse an Schirmer haben. Die große Resonanz auf die geheime „Aburteilung" zeigt ganz deutlich, was Schirmer - in der Burg - für diesen Landstrich bedeutet. Unverständnis, Wut und Betroffenheit über das Vorgehen der beteiligten Damen/Herren Volksvertreter in diesem Fall sind die hauptsächlichen Reaktionen in fast allen veröffentlichten Briefen - und Lesermeinungen. Berechtigt. Denn nicht nur ein bißchen merkwürdig mutet es an, wenn die SPD-Fraktionsvorsitzende den Beschluß mit finanziellen Unregelmäßigkeiten im Finanzhaushalt der Burg begründet, der Stellvertreter Kolbe Herrn Schirmer persönliche Bereicherung vorwirft, die Prüfungen aber noch lange nicht abgeschlossen sind. Im selben Atemzug verlangt dann aber doch auch bei Liselotte Fitzke (SPD-Fraktionsvorsitzende) die Ehrlichkeit ihren Tribut: „Schwarze Fahnen auf der Burg, das Vorführen der Fraktionsvorsitzenden im Fernsehen - das hat mich geärgert."

Das scheint es also auch zu sein, was die Volksgewählten bedrückt. Unbeugsamkeit und Querdenkerei in den eigenen Reihen! Aber ist das alles? Hat der Absetzungsversuch etwa damit zu tun, daß der Burgdirektor sich gegen unsinnige Beschlüsse wehrt, auch wenn sie von seinem direkten Vorgesetzten kommen? Vielleicht geht es ja auch um die Stadt Beeskow die '94 Kreisstadt geworden ist, und sich damit gegen Fürstenwalde und Eisenhüttenstadt durchgesetzt hat. Und gerade in dieser Stadt gibt es dann besagten Burgdirektor, der mit Kraft und Engagement Beeskow weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt macht. Oder geht es dann doch letztendlich um den Landrat, den man durch eine „Schirmer-Affäre" zu kippen hofft und somit endlich die Neubesetzung durch einen Parteigetreuen realisieren könnte. Viele Fragen, die uns bis jetzt noch keiner der Verantwortlichen beantworten wollte. Aber das ist man ja auch aus der großen Politik gewöhnt. Bestehende Ungereimtheiten bedürfen sicherlich einer Klärung, aber Fairneß und gegenseitige Akzeptanz wären hier hilfreicher als verletzte Eitelkeiten und Profilierungsgehabe. Und ob nun Burgdirektor oder nicht: Ich wünsche Herbert Schirmer, daß er so bleibt wie er ist: Kantig, unbequem - ein Querformat eben.