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Knaupps Kolumnen

Freundschaft

Freundschaft

Nee, ich meine nicht das Wort, daß vor ein paar Jahren noch in so mancher Schule über den Fahnenappellplatz hallte. Ich meine auch nicht den Sammelbegriff „Freundschaft“, den man nur allzu schnell und zu unbedacht über die Lippen rutschen läßt. Ich meine dieses Wort, daß ein Gefühl auszudrücken vermag. Dieses Gefühl, anderen nahe zu sein, andere zu verstehen und selbst verstanden zu werden. Dieses Gefühl, bei dem dummer Stolz und kleine Eitelkeiten im Nichts verschwinden. Ich denke dabei an Menschen, die sich vor Jahren gut kannten, sich aber irgendwann aus den Augen verloren haben. Nach vielen Jahren treffen sie sich wieder, und für diese Menschen scheint kaum Zeit vergangen zu sein. Sie fangen mit ihrem Miteinander genau da an, wo sie vor Jahren aufgehört haben. Ich meine das Gefühl, daß Menschen verbindet die tausende Kilometer voneinander entfernt sind, und trotzdem immer eine gewisse Nähe zueinander spüren. Ich verbinde mit diesem Wort Menschen, die da sind, wenn es dem anderem schlecht geht, die versuchen problembelastete Schultern wieder geradezubiegen und die ohne große Worte helfen. Freundschaft - ein Synonym für Ehrlichkeit, Vertrautheit und Wärme. Sicherlich ist eine Grundvoraussetzung für Freundschaft das sich aufeinander Einlassen. Schwächen zu akzeptieren und sich bei übertriebenen Höhenflügen wieder in Richtung Boden zu bringen, gehören genauso dazu.

Freundschaft ist also auch eine Art Verpflichtung dem anderen gegenüber. Ein Zustand der mit der Zeit wächst, der Pflege bedarf und um den es sich zu kämpfen lohnt. Ein Zustand, der Sicherheit vermittelt, der zusammen reden und schweigen läßt, der zusammen lachen und weinen läßt, der gegenseitiges Auffangen ermöglicht und immer dann besonders stark ist, wenn man ihn am nötigsten braucht. Freundschaft - ein großes Wort mit noch größerer Bedeutung, daß auch immer Glück verheißt.