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Knaupps Kolumnen

Zum 1. März

Zum 1. März

In unserem gesamtdeutschen Jahreskalender ist der 1. März ein Tag wie jeder andere. Das war nicht immer so. Vor ein paar Jahren, als die Uhren hier noch linientreu sozialistisch tickten, war der 1. März der „Tag der Nationalen Volksarmee". Nee, ich meine jetzt nicht den Tag, an dem man sich früh um 8 Uhr an einem Stellplatz einzufinden hatte, eine rote Nelke ins Knopfloch gedrückt bekam und dann an den Staatsvertretern vorbeilatschen durfte. Die standen am Marktplatz auf einem bunt geschmückten LPG-eigenen LKW-Anhänger, auf dem zur Erntezeit wahrscheinlich rote Rüben transportiert wurden und wedelten huldvoll mit der linken Hand. Das war der 1. Mai - auch ein ganz wichtiger Tag im DDR-Kalender. Der Kampftag der Arbeiter und Bauern für Frieden und Sozialismus. Hatte die Staatssicherheit eigentlich auch ihren ganz persönlichen Feiertag? War der geheim? Aber eigentlich waren die ja bei allen Ereignissen und Feierlichkeiten dabei. Zwar inkognito, aber dabeisein war alles.
Doch ich schweife ab. Zurück zum 1. März. Dieser Tag war also der Tag der „Nationalen Volksarmee". Schon in frühester Jugend wurde man mit dieser Einrichtung bekannt gemacht. So durfte der fröhliche Jungpionier Lieder erlernen, die die Verbundenheit mit den Streitkräften demonstrierten. „Soldaten sind vorbeimarschiert im gleichen Schritt und Tritt, wir Pioniere kennen sie und laufen fröhlich mit. Gute Freunde, gute Freunde, gute Freunde in der Volksarmee ...". DDR-Liedgut für Unterschüler. Mit steigendem Alter der Schüler stieg auch die Präsenz der NVA in den Schulen. Ganze Drückerkolonnen erschienen in den Klassen der frisch gebackenen FDJler, um sie für eine Laufbahn im Dienste der Nationalen Sicherheit zu rekrutieren. Neben den normalen Schulfächern durften sich die Schüler nun auch noch mit „Wehrerziehung" langweilen. Als krönenden Abschluß ging es dann irgendwann zum Kriegspielen in ein sogenanntes „Wehrlager".
Mit der Wende wurde alles etwas anders. Zwar bestand die Bundeswehr auch auf dem Grundwehrdienst, vergriff sich jedoch nicht an Schulkindern. Bestand zu Ostzeiten nur die Möglichkeit als Todkranker, streng Religiöser oder als abgestempelt inhaftierter Klassenfeind den Wehrdienst zu umgehen, wurde jetzt auch bei uns das Zeitalter der Wehrersatzdienstleistenden eingeläutet. Der oftmals belächelte „Zivi" trat seinen Dienst an. In Krankenhäusern, in Altersheimen, in Behindertenanstalten und in vielen sozialen Einrichtungen versehen die Zivildienstleistenden heute ihren Dienst. Dienst am Menschen.
Bei den letzten Sparüberlegungen in der Politik war jetzt auch die Bundeswehr im Gespräch. Vom Abbau der Militärkosten und einer Abschaffung der Wehrpflicht war die Rede. Mich persönlich haben diese Gedanken gefreut. Jeder könnte frei entscheiden. Und eine Armee die aus Freiwilligen besteht, leuchtet mir mehr ein, als junge Menschen die in die Pflicht gestellt werden.
Ein Problem, daß sich dann natürlich stellen würde - was wird aus den Zivis? Mit der Wehrpflicht würde ja auch der Zivildienst wegfallen. Und ohne die Zivis würde es dunkel werden in Deutschlands sozialen Einrichtungen. Ohne die Ersatzdienstler würde man merken, was hier für Leistungen erbracht werden. Ohne die Zivis würde so manches Rad stillstehen.
Aber vielleicht ist hier auch die Möglichkeit für ein Umdenken gegeben. Berufssoldaten und Berufszivis. Die Einsparungen der Kosten beim Militär sollen das Staatssäckel-Defizit schrumpfen lassen. Vielleicht sollten aber ein paar Euro davon in das Sozialwesen gesteckt werden und solche Dienste, wie die der Zivis, als Berufe geschaffen und bezahlt werden. In einer Zeit, in der der Arbeitsmarkt am Boden liegt und viel Geld in noch mehr unsinnige Projekte gesteckt wird, wäre das dann mal eine Staatsausgabe, die auch ich verstehen würde.