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Knaupps Kolumnen

Pippi for President!

Pippi for President!

Je näher die Kanzlerwahl rückt, um so mehr beschleicht mich dieses ungute Gefühl. Das Gefühl, die Wahl zu haben, sie aber trotzdem nicht wirklich zu haben. Das Gefühl, nicht zu wissen, neben welchen Kandidaten ich mein Kreuz setzen soll. Und meine Wankelmütigkeit kommt nicht etwa daher, daß ich die drei Hauptakteure so berauschend finde.
Der Jetzige ist mir zu rot-grün und zu schön. Auch in Koalition mit den ehemaligen Atomkraftgegnern, hat uns seine Amtszeit außer Steuererhöhungen, dem 630,- DM Gesetz und Stefan Raabs „ Hol mir mal ne Flasche Bier", nicht viel Nennenswertes gebracht.
Der zweite im Bunde ist mir zu schwarz, zu bayerisch und seine markigen Sprüche beeindrucken mich gleich null.
Der gelb-blau Nachgekommene ist auch nicht mein Ding. Er scheint bei seiner Kandidatur, nach den letzten kleinen Wahlerfolgen seiner Partei, auf großen politischen Ruhm zu hoffen. Außerdem lächelt er mir einfach zu laut. Und das scheint es dann auch mit dem Kanzlerangebot gewesen zu sein. Mehr Kandidaten würden aber wahrscheinlich auch nicht mehr Auswahl bedeuten. Denn meistens geht nach gewonnener Wahl eine merkwürdige Wandlung mit den frischgebackenen Staatsobersten vor. Sie grinsen zwar genauso breit in die Fernsehkameras, aber was vor der Wahl lauthals propagiert wurde, wird nach gewonnenem Posten nur noch geflüstert. Ich werde auch den Eindruck nicht los, daß politische Ideale, großartige Ziele und die einstudierten Wahlversprechungen neben dem eigenen Chauffeur und den teuren Maßanzügen in Vergessenheit geraten. Vieles, was vorher als hundert Prozent unumstößlich galt, erweist sich nach der Siegesfeier als fünfzigprozentig - Tendenz abfallend.
Als Wahlgänger, als Nicht-Protestwähler und normalpolitischer Mensch, empfinde ich es als Tortur, unter gegebenen Umständen eine richtige Entscheidung zu treffen. Trotz Parteienvielfalt sind vernünftige Alternativen nicht in Sicht.
Wie leicht hatte man es da als Kind. Die Entscheidungen waren klar und einfach. Der oder die Richtige waren immer ehrlich, stark und gut. Setzten sich für Schwächere ein und kämpften für die Gerechtigkeit. So wie zum Beispiel Robin Hood oder Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf". Würde sie zur Wahl stehen, gebe es für mich kein Überlegen mehr.
Pippi for President!