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Knaupps Kolumnen

Von Workshops und dummen Gedanken

Von Workshops und dummen Gedanken

Workshops - so nennt man diese außerbetrieblichen Freizeitbeschäftigungen, bei denen der eigenen Kreativität freien Lauf gelassen wird. In den sechziger Jahren bildeten sich zum Beispiel Männergruppen. Sie erlernten Tee zu trinken, Joints zu rauchen und ihre frauliche Seiten zu fördern. Ja, bei diesen Workshops stand das Lernen und die Geselligkeit im Vordergrund. Auch heutzutage werden immer noch viele Kurse und Workshops angeboten. Viele davon sind auch wirklich nützlich. Ich zum Beispiel, schlage mich gerade mit englischen Vokabeln rum. Neben den Fremdsprachen, werden die vielfältigsten Angebote unterbreitet. Mit der nötigen Zeit, übt man sich im Sport, in PC-Grundlagen, im Maschineschreiben, im Töpfern, im Malen, im Fotografieren und vielem mehr. Man kann sogar einen Kurs belegen „Mein Staat - ein unbekanntes Wesen". Da sollte ich auch dringend mal reinschauen. In Eisenhüttenstadt wird zur Zeit ein Kurs der Sonderklasse angeboten. „Mein Stuhl erzählt mir - Gestaltung des eigenen Stuhls". Ich hoffe für alle Teilnehmer, daß hierbei das altbekannte Sitzelement gemeint ist. Auf jeden Fall findet heute jeder Interessierte seine speziellen Bildungserweiterungen. Wer sich mit dem Trainingsgedanken für die grauen Zellen trägt, sollte eine Kursanmeldung aber nicht länger rausschieben. Es ist gut möglich, daß uns bald die Zeit und der Elan für solche Dinge fehlen werden. Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage in unserem Land, schlagen die Wirtschaftsverbände eine Verringerung von Urlaubstagen und eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit vor. Von der Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche (ohne Lohnausgleich!!!) und der Streichung einiger Urlaubstage ist die Rede. Laut dem Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft, sollte jeder Arbeitnehmer bereit sein, auf drei bis vier freie Tage im Jahr zu verzichten. Dadurch könnte der Arbeitnehmer aktiv zur Sicherheit seines Arbeitplatzes beitragen.
Im Klartext: Wir sollen die versalzene Suppe auslöffeln. Wir sollen auf Urlaub und korrekte Bezahlung verzichten und gute Miene zum bösen Spiel machen. Abgesehen davon, daß die 40-Stunden Woche im Osten Deutschlands noch normal ist, wird bei denen, die einen Arbeitsplatz haben, doch eh nicht auf die Uhr geschaut. Ich weiß nicht, über wieviel Urlaubstage der Präsident des Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft, Mario Ohoven, verfügen kann. Ich jedenfalls, möchte nicht auf einen einzigen Tag verzichten. Nachdem wir seit Jahren immer mehr zur Kasse gebeten werden, kann ich über solche Ideen nicht mal mehr lachen. Aber vielleicht können wir ja bald ganz auf unsere Urlaubstage verzichten. Für einen Teil der Bevölkerung sind große Sprünge eh schon nicht mehr möglich. Es fehlt dann schlichtweg die Reisekasse für solche Unternehmungen. Bei erhöhtem Arbeitspensum hätten wir dann auch keine Zeit mehr für Kurse und Workshops. Uns bliebe dann aber noch die Freude auf das Rentenalter. Es könnte uns natürlich noch passieren, daß uns diese Freude erst mit 67 Jahren zuteil wird.
Das sind nur einige Zukunftsvisionen, die für uns bereit gehalten werden. Vielleicht sollten die Erdenker dieser Verbesserungsstrategien mal einen Workshop besuchen. Ich empfehle den in Eisenhüttenstadt (ob mit oder ohne Sitzelement). Da machen sie dann wirklich mal was Kreatives. Und so ein Kurs hilft eventuell gegen - dumme Gedanken.