Zeitung lesen
Knaupps Kolumnen

Neuerung

Neuerung

Sucht man im Duden nach dem Wort „Neuerung", findet man es zusammen mit den Wortgefährten: Neuerer, Neuererbewegung und neuern. Hinter den ersten beiden Wörtern steht in Klammern: „ehem. in der DDR". Das Wort „neuern" ist laut Duden: veraltend für „erneuern". Zu Staatsratzeiten gab es für sogenannte Neuerungen die Messe der Meister von Morgen. Dort wurden dann mehr oder weniger sozialistische Errungenschaften mit einem Gläschen Rotkäppchensekt oder einem kräftigen Schluck sowjetischen Freundschaftswodka abgefeiert.
Nun ist das mit den Neuerungen aber immer so eine Sache. Obwohl das Wort ja eigentlich Fortschritt vermittelt, zeigt sich auch in der heutigen Zeit deutlich, daß hinter diesem Buchstabengefüge nicht immer etwas Positives steckt. Bestes Beispiel ist ja die Gesundheitsreform mit Praxisgebühren, erhöhten Medikamentenzuzahlungen und den Einbußen beim Krankenhaustagegeld.
Auch das Beeskower Verkehrsführungsthema zeigt klar, daß eine Neuerung nicht gleich überall und von jedem als gut oder mit positivem Effekt empfunden wird. Doch solange die verschiedenen Meinungen an einem gemeinsamen Tisch diskutiert werden, kommt man einer Problemlösung sicherlich näher.
Eine Neuerung gibt es jetzt auch aus der Kreisverwaltung zu vermelden. In einer als Mülltonne getarnten Blitzanlage wurden jetzt 54 000 Euro Steuergelder versenkt. Natürlich nicht, um die leeren Kassen mit Buß- und Verwarnungsgeldern aufzufüllen. Wer so etwas denkt, ist ein arger Schelm. Nein, es geht wohl ausschließlich darum, die Gefahr durch Verkehrsrowdies einzudämmen und ihnen einen finanziell untermauerten Denkzettel zu verpassen. Aber egal welches Ansinnen dabei nun wirklich den Vorrang hat - der mobile „Radar-Einsatz-Meßcontainer" ist jetzt auf der Jagd nach dem sündigen Volke.
Neuerungen, die nicht nur ich begrüßen würde, wären sicherlich auch Schrankenanlagen für unbeschrankte Bahnübergänge. Wie die traurige Realität bewiesen hat, bergen auch relativ gut einsehbare Übergänge eine Gefahr. Und auch routinierte Fahrer sind nicht gegen eine kurze Unaufmerksamkeit oder eine sichtbehindernde Sonneneinstrahlung gefeit. Für die Realisierung eines solchen Projektes müßten der Bund, die Bahn und der Kreis die Kosten zu gleichen Teilen übernehmen. Die Bahn hat signalisiert, daß man auf Wunsch des Kreises den Bau einer Halbschrankenanlage (Bornow/Birkholz) in Erwägung ziehen würde. Doch dafür sieht der Kreis bzw. das Straßenverkehrsamt noch keinen Handlungsbedarf.
Vielleicht sind aber auch die finanziellen Mittel erst einmal erschöpft. Wie wäre es denn, wenn wir Autofahrer uns zu einer Neuererbewegung zusammentun, um den Kreis finanztechnisch zu unterstützen? Wir könnten alle, bei Sichtung der Blitzertonne, Gas geben und mit überhöhter Geschwindigkeit gleich mehrmals in die Radarfalle fahren. Wir würden damit dann schon einen selbstlosen Beitrag zur Kostendeckung besagter Tonne leisten. Wenn die 54 000 Euro Anschaffungskosten dann durch uns wieder eingefahren sind, könnten wir uns ganz gezielt für die Finanzierungen wirklich nötiger Neuerungen blitzen lassen. Aber vielleicht sollte ich diesen Gedanken gleich wieder verwerfen. Wer weiß schon, ob eine Schrankenanlage, die ja keinen Gewinn bringt, jemals hohe Priorität bei den Verantwortlichen erlangen wird. Außerdem habe ich keine Lust, wegen Anstiftung zur Geschwindigkeitsüberschreitung an den Pranger gestellt zu werden. Auch dann nicht, wenn es vor Gericht mildernde Umstände für die „Beihilfe zur Aufstockung der Kreisfinanzen durch Neuerung" gäbe.