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Knaupps Kolumnen

Big Brother is back

Big Brother is back

So, da haben wir den Salat. Die sogenannte Reality-Show „Big Brother" ist wieder da. Mittlerweile schon in der fünften Staffel und getreu dem Motto: höher, weiter, besser. Das heißt im Klartext, das Konzept des legitimierten und gesäuberten Voyeurismus wurde nochmals überarbeitet. Verlängert auf 365 Tage, erweitert auf drei verschiedene Wohnebenen, verhärtet in den Spielregeln, mit verschärftem Voting und gesteigert im Preisgeld. Jetzt bekommt der Zuschauer die Megadröhnung des Quotenreißers präsentiert. Eine Show als Klassenkampf, Bewohner unterteilt in arm, normal und reich. Und obwohl angeblich keiner an dieser Fleischbeschau interessiert ist, strafen uns die ersten Einschaltquoten schon wieder Lügen. Reality-Shows scheinen sich zu des Deutschen liebstem Fernsehkind zu entwickeln. Niveau und Anspruch verlieren gegen Schadenfreude und Sensationsgeilheit. Egal ob es um Promis oder Normalos geht - konsumiert wird alles. Es muß nur reißerisch genug aufgemacht sein.
Ich will hier aber jetzt auf keinen Fall mit erhobenem Zeigefinger gegen neue TV-Formate wettern. So eine große Wichtigkeit messe ich dieser Sache nicht bei. Ich bin nur immer wieder erstaunt, welche Fernsehknospen in unserem PISA- und reformgebeutelten Land erblühen. Im Vorfeld jeder einzelnen Staffel wurden immer wieder Einwände mit der Begründung der Verletzung der Menschenwürde erhoben. Nehmen sie es mir nicht übel, daß ist mir dabei relativ egal. Schließlich sind die Kandidaten freiwillig und mit einem bestimmten Ziel in diesem Container, im Dschungel und sonstwo. Es geht um Medienpräsenz, Superstarträume, Egoaufbesserungen und natürlich ums große Geld. Und damit ist nicht die eine Millionen Siegerprämie gemeint.
Letztendlich sind wir Deutschen aber nicht die einzige Fernsehnation, die Spaß daran hat, wenn sich Leute aus eigenem Antrieb zur Schau stellen und zum Affen machen. In Italien, in Rußland, wahrscheinlich in jedem halbwegs weltoffenen Land wird das Terrariumsyndrom neu erfunden. Und wenn ich ehrlich bin, ist dieses Konzept nicht das schlechteste. Nur sollten wir, die Zuschauer, bestimmen können, wer mal für ein Jahr in so einen Container muß. Also, ich wüßte auf Anhieb ein Dutzend Leute, denen ich meine Stimme geben würde. Nicht um sie tagtäglich zu begaffen. Eher mit dem Hintergrund, daß sie für ein Jahr erstmal keinen Blödsinn verzapfen könnten.
Bis es aber soweit ist, bleibe ich bei der Devise: Big Brother is back - und ich schalte weg.