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Knaupps Kolumnen

Wahlplakate

Wahlplakate

Jetzt ist sie wieder da - die Zeit der Montagsdemos. Zu verdanken haben wir das gemeinsame Aufbegehren dem Hartz IV-Gesetz. Aber auch der angestaute Frust über die gesetzlichen Unmöglichkeiten der vergangenen Jahre brachte das Faß zum überlaufen. Wir sind jetzt wieder das Volk - das unbequeme. Und obwohl ein Gesetz doch mit Mehrheit beschlossen werden muß, wird von den mitbestimmenden Parteien plötzlich eine Mitschuld am Dilemma weit von sich gewiesen. Es gibt zwar noch welche, die an der Richtigkeit der Beschlüsse nicht zweifeln, doch dem Volkszorn durch Aufklärungsarbeit entgegen zu wirken versuchen. Ich glaube, das kommt zu spät. Die Landtagswahl ist in Sicht, und in der Parteienwerbung hat man sich mittlerweile das Volksbegehren auf die Fahnen, bzw. auf die Wahlplakate geschrieben. „Gemeinsam für mehr Arbeit", „Gerechter Lohn für gute Arbeit, gute Leistung muß sich lohnen", sind die Sprüche der Regierungspartei. Nur glaubt diesen Sprüchen jetzt keiner mehr. Zu tief sitzt die Enttäuschung. Berechtigterweise. Die andere Parteien plakatieren im Volksmund und sind natürlich hocherfreut über die vorgelegte Wahlstrategie. Aber auch sie haben kein Allheilmittel, wie die Zeit nach der Wahl ja mittlerweile bei jeder Regierungspartei aufgezeigt hat. Letztendlich hilft wahrscheinlich wirklich nur sparen. Es darf nur nicht immer wieder am falschen Ende sein. Meinetwegen könnte man mit dem Sparkurs gleich bei der Parteienwerbung anfangen. Ich persönlich halte diese Fettplakatierungen mit grinsenden Gesichtern und hochtrabenden Versprechungen für sinnlos. Ich bezweifel, daß die an Straßenrändern und an Bäumen Aufgehängten wirklich Einfluß auf das Wahlverhalten von klar denkenden Menschen haben. Vielmehr sehe ich in jedem Schild, in jedem Wahlspot rausgeschmissene Steuergelder. Gelder, mit denen die Parteien, bei der richtigen Verwendung, weitaus effektivere Wahlwerbung machen könnten. Wahlwerbung, die ohne großes Getöne den Bürgern zugute kommen sollte. Statt Wahlwerbung an Bäumen - Werbegelder zu sozialen Brennpunkten. Das wäre doch mal eine Parteienwerbung die glaubhaft erschiene. Doch um die jetzige steuernverschlingende Wahlwerbung zu stoppen, müßte der Gesetzgeber diese Art von Parteienwerbung verbieten. Doch der Gesetzgeber sind die Parteien.
Apropos Gesetzgeber. Mich erstaunt ja immer wieder, daß die Grünen mittlerweile so aus der Schußlinie geraten sind. Als Mitregierende, sprich Mitverzapfer, halten sie sich dennoch dezent im Hintergrund. Der schmal gewordene Rücken der SPD scheint noch genug Windschatten zu bieten.
So, und jetzt noch einmal zu den Montagsdemos und dem damit verbundenen Aufbegehren. Ich finde es ja wirklich gut, wenn man den Mund aufmacht. Also wundern Sie sich nicht, wenn ich Ihnen irgendwann in Beeskows Innenstadt als Demonstrant entgegenkomme (natürlich nur mit billigen, selbstgemalten Transparenten). Mir reicht's nämlich schon lange. Ich werde aber nicht mit den üblichen Rattenfänger-
Slogans durch die Straßen ziehen. Ich werde aufzeigen, was mir so alles stinkt. Ich werde natürlich politische Fehlentscheidungen und übertriebenen Bürokratismus anprangern. Aber ich werde auch gegen Pollenflug, gegen pickelverursachende Trockenrasuren, gegen Werbeblöcke in Fernsehfilmen, gegen dreckige Socken und Vogelkot auf meinem Auto protestieren. Doch ganz besonders gegen blöde unglaubhafte Wahlplakate.