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Knaupps Kolumnen

Ergänzung

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Die Zeichen stehen auf Sturm. Nee, ich meine das jetzt nicht politisch. Auch wenn es nachdenklich stimmt, daß nach einer verlorenen Wahl auch die Nichtgewählten wieder vorn mitmischen. Ich aber meine diesmal nur den Herbststurm. Die Zeichen sind deutlich. Der Herbst ist da und mit ihm die kalte Jahreszeit. Strickpullunder & Co warten auf ihren Einsatz. Die Blätter haben sich verfärbt und ziehen einen Schlußstrich unter ihre letzte Beziehung. Sie verlassen ihre Partner und sinken entkräftet zu Boden. Besagtem Boden hingegen ist dieses Drama egal. Er zeigt bodenfrostige Härte.
Wilde Zugvögel kämpfen sich mit lautem Geschnatter und in gut formierten Flugverbänden durch den kalten Herbsthimmel. Das artverwandte Mastgeflügel hingegen ist zur Bodenhaltung gezwungen und ahnt noch nichts vom bevorstehenden Daseinsende. Dabei rückt die alljährliche Schlachtzeremonie immer näher.
Ja, in zehn Wochen ist Weihnachten. Glaubt man dem Angebot der Einkaufsmärkte, gibt es den Herbst gar nicht. Hier wird der fließende Übergang von der Grillsaison in die Lebkuchenzeit propagiert. Wer also jetzt noch auf eine vernünftige Herbstdepression spekuliert, der sollte sich beeilen. In wenigen Wochen verlangt schon die selige Vorweihnachtszeit ihren Tribut.
Doch noch sind jede Menge Herbstdepressionen im Angebot. Frühe Dunkelheit, morgendliche Kälte und graue Tage lassen sich ideal für finstere Stimmungen nutzen. Auch traurige Balladen, Fernsehprogramme mit Brustvergrößerungsoperationen oder die Gebührenerhöhungen für die öffentlich-rechtlich gesunkene Einschaltquote sind gute Voraussetzungen für tief zusammengezogene Stirnfalten. Man kann aber auch einfach sein Auto zwei Tage unter einem Kastanienbaum abparken, um danach mit Tränen in den Augen die Kastanieneinschläge auf dem PKW-Blech zu zählen. Wer die volle Depressionsdosis erreichen möchte, der schaltet sich durch drei aktuelle Nachrichtensendungen, blättert danach in den Sommerurlaubsfotos oder schläft einfach tagsüber und geht nur nachts spazieren. Die Depressionsangebote sind vielfältig, man muß sie nur nutzen.
Der Herbst soll aber noch mehr zu bieten haben. Die Enthusiasten schwören auf das goldene Licht, die prächtigen Farbspiele und das zarte Blätterrascheln. Na ja, das kann bestimmt auch ganz nett sein. Auf jeden Fall sind diese positiven Faktoren für jede schöne Herbstdepression - eine gute Ergänzung.