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Knaupps Kolumnen

Angstschweiß

Angstschweiß

Die Winterzeit ist ja immer so eine Sache! Eigentlich mag ich den Winter. Aber nur wenn draußen der Frost knackt und eine weiße Schneedecke das Einheitsgrau abdeckt. Alle anderen wetterbedingten Facetten dieser Jahreszeit sind für mich völlig inakzeptabel. Rutschige Straßen, matschiges Tauwetter und durchweichtes Schuhwerk gehören verboten. Auch sonst sehe ich dieser Jahreszeit immer mit gespaltenen Gefühlen entgegen. Am Anfang jedes Jahres schleicht sich eine merkwürdige Müdigkeit in meinen Körper. So auch in diesem Jahr. Nachrichten, wie die von der geplanten Hochzeit von Camilla und Prinz Charles, ringen mir nur ein müdes Lächeln ab. Er hat ihr doch schon vor Jahren in den Telefonhörer gesäuselt, er würde gern ihr Tampon sein. Schon damals ein Zeichen inniger Verbundenheit. Jetzt wird er eben ihr Ehemann. Mich reißt auch der politische Aschermittwoch nicht von der Couch. Vielleicht liegt es daran, daß sich die gegenseitigen Schuldzuweisungen und die Phrasendreschereien alljährlich wiederholen.
Apropos Aschermittwoch. Mit dem Aschermittwoch sind zum Glück die Jecken vom Bildschirm verschwunden, und das Ende der Faschingszeit wurde eingeläutet. In unserer Region geht es aber in abgewandelter Form, mit Fastnacht, Nachfeier und Eierkuchenball, noch ein wenig weiter. Wie mittlerweile schon bekannt ist, bin ich nicht so der Fastnachtsreißer. Ich gewöhne mich nur schwer an diese Art von Musik und die damit verbundenen Tanzschritte. Trotzdem habe ich auch in diesem Jahr wieder ein Tänzchen gewagt. Gewagt, das ist genau der richtige Ausdruck. Obwohl ich es sehr mutig von mir finde, mich auf das nationale Tanzparkett zu begeben, erfordert es weitaus mehr Mut, mich als Tanzpartner zu erwählen. Ja, ich gebe es zu, ich habe das Taktgefühl eines fußkranken Elefanten in Einzelhaft. Nicht mal den sogenannten einfachen Schieber bringe ich ohne Patzer hinter mich. Während des Tanzes bin ich zwar immer ganz fest der Meinung, daß ich gerade in dem Moment locker und geschmeidig mit der Hüfte wiege, aber allein diese Gedanken bringen mich schon aus dem Takt. Kurz verweilen, einzählen und weiter gehts. Nur die Hoffnung nicht aufgeben. Ich drehe mich beschwingt und adrett und fühle Rhytmus im Blut. Leider empfinde ich das nur allein so. Für die stillen Beobachter am Rande sehen meine Bemühungen wohl eher aus, als würde ich in traurigen Gedanken versunken auf der Stelle treten. Dabei ist mein Körper richtig angespannt. Ganz zu schweigen vom Körper meiner gestreßten Tanzpartnerin. Auf dem Weg von der Tanzfläche zurück zum sicheren Sitzplatz spüre ich sogar etwas Schweiß auf meiner Stirn. Leider holt mich dann immer schnell die Realität ein. Illusionsräuber erklären mir sofort, daß die Tröpfchenbildung über den Augenbrauen keinesfalls durch die graziöse Wildheit meiner Tanzeinlagen entstanden wäre. Na ja, der Schweiß fühlte sich auch immer so merkwürdig kalt an. Es war dann wohl doch eher - Angstschweiß.