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Knaupps Kolumnen

Verarscht

Verarscht

So richtig locker bin ich heute nicht. Irgendwie fehlt mir der richtige Plan. Am Wetter kann es ja nicht liegen. Aber vielleicht liegt es an diesen besonderen Tagen. Diesen Tagen, an denen man sich leicht verarscht vorkommt. „Verarscht" - Sie müssen entschuldigen, aber in manchen Situationen ist kein anderes Wort treffender.
Auf die Thematik der Kanzler-Kanzlerin-Debatte habe ich keine Lust mehr. Außerdem sind die Messen gelesen. Angela ist die Numero Uno. Nach dem ganzen Hin und Her stieg sie nun wie Phönix aus der Asche. Obwohl ihr ja auch gleich wieder die Flügel gestutzt werden. Die Kompetenzdebatte scheint noch nicht vorüber. Vielleicht hat man sie auch ein bißchen verarscht. Das wäre ja in der großen Politik nichts Neues. Man darf jedenfalls gespannt sein, wie das so weitergeht. Aber egal, das Thema nervt mittlerweile.
Es gibt doch wahrlich noch andere Wunderlichkeiten in unserem Alltag. So frage ich mich seit ein paar Tagen: Wer ist Scholli? Wie, Sie kennen den auch nicht? Aufmerksam wurde ich auf besagten Herren, als ich durch eine mir nahestehende Person auf irgend eine Sache hingewiesen wurde, die wohl irgendwie besonders schien. Da dieser Hinweis aber mit den Worten „... mein lieber Scholli" begann, biß sich mein Gehirn an den drei Worten fest, statt auf die hingewiesene Sache zu achten. Jetzt bohrt die Frage: Wer ist Scholli? Scholli muß wohl ein Lieber sein. Mehr war nicht rauszubekommen.
Nun bin ich ja hartnäckig. Also sprach ich die Scholli-Problematik im Freundeskreis an. Doch auch hier konnte mein Wissensdurst nicht gestillt werden. Dafür verwies man mich aber an den lieben „Herrn Kokoschzinski" und den lieben „ Herrn Gesangsverein". Die wüßten wohl über den lieben Scholli genau Bescheid. Verarscht man mich? Ja, ich glaube fast, man nimmt mich nicht so ernst.
Und so wird es wohl immer Fragen geben, die mir keiner beantworten kann.
Warum kleben die Etikettenkleber bei Schwedens Exportschlager IKEA die Etiketten für den Regal-Selbstaufbausatz Typ „Smörre", der mittlerweile in Polen produziert wird, immer auf das unbehandelte Holz? Muß das so sein, oder wollen die mich auch verarschen? Bevor dann das selbst aufgebaute Werk endlich gestrichen, gewachst oder geölt werden kann, bricht man sich erstmal beim Etiketten raspeln die Fingernägel ab. Dabei reicht mir doch schon dieses unsichere Gefühl, wenn bei Fertigstellung des Endproduktes immer noch eine Handvoll Schrauben übrig bleiben.
Dann gibt es noch die Sache, daß ich mit einigen Verpackungsmaterialien so meine Not habe. Manchmal bekomme ich ganz profane Plastetüten nicht auf. Irgend ein schmackhafter Inhalt lächelt mich an, und ich komme nicht ran. Wer will mich wohl hier wieder verarschen? Was bewegt die Verpacker dazu, ihre Produkte so zu verschließen, daß man ohne Waffengewalt ihrer nicht habhaft wird?
Aber Schluß jetzt. Ich will Sie auch nicht mit meinen merkwürdigen Alltagsstorys langweilen. Nachher fühlen sie sich von mir vielleicht noch - verarscht.