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Knaupps Kolumnen

Macht was draus!

Macht was draus!

Na, Ihr Mimosen, genug geheult? Ja, ich meine Euch da, die ihr ja immer noch in jeder Wahlschlappe den Aufwärtstrend erkennt. Ihr, die Ihr Euch Eure schlechten Ergebnisse schönredet. Ich meine Euch, die Ihr sonst immer so einen satten Eindruck machtet, aber zur Zeit nervös mit den Augen klimpert. Nach der Bekanntgabe der Stimmenauszählung sprach aus Euren Gesichtern Fassungslosigkeit und Desorientierung. Und ich meine Dich, der Du nach der Wahl den merkwürdigsten Eindruck gemacht hast. Während der Berliner Runde hast Du Dich benommen als wärst Du komplett verpeilt. Ja, man hatte fast den Eindruck, als hättest Du Dir vorher etwas eingeworfen, was in diesem Land als verbotenes Rauschmittel bezeichnet wird. Oder war es die blanke Angst, die Dich zu diesem befremdlichen Auftritt zwang?
Auch danach gab es keine Ruhe für Euch. Keiner wußte so richtig, in welche Richtung er jetzt schauen müsse. Das Wahlergebnis war unklar. Aber eigentlich könnte man es auch als glasklar bezeichnen. Vielmehr sah das Wahlvolk Euch und Eure Positionen nicht mehr als klar an. Und auch die Zeit nach der Wahl zeigt doch relativ deutlich, daß die Aufgaben, die das Volk an Euch stellt, nicht wirklich eindeutig zu Euch rüberkommen. Ihr verfilzt Euch in einem Hickhack um die Macht. Statt dieses Wahlergebnis hinzunehmen und damit anzufangen, Euch um das zu kümmern, was Eure gut bezahlte Aufgabe ist - scheint ihr Euch eher erst mal um die eigenen Befindlichkeiten zu kümmern.
Der Machtanspruch ist Hauptthema, der Kanzlerstuhl das Ziel. Merkwürdige Thesen zur Eindeutigkeit bzw. Zweideutigkeit der Wahlergebnisse stehen plötzlich zur Debatte. Es wurde auf Biegen und Brechen versucht, daß Wahlergebnis für die eigene Partei positiv auszulegen und das Ergebnis der anderen platt zu bügeln. Es geht schließlich um das eigene Ego.
Oder geht es nicht doch um ein Land? So richtig wohl nicht. Man könnte es fast anzweifeln. Jedenfalls, wenn man sich das Getröte vor und nach der Wahl angehört hat. Es erinnerte mich irgendwie an das Streitgezeter von Vorschulkindern am Spieltisch in einer Kindereinrichtung: „Also, wir machen nur mit, wenn der nicht mitspielen darf", „Wir sind nur dann Deine Freunde, wenn wir das hier behalten dürfen", „Ich will aber der Sheriff sein, ohne mich geht gar nichts", „Du darfst nur mitmachen, wenn der da ab sofort nicht mehr Dein Freund ist", „Ätsch, mit Euch würden wir ja eh nicht spielen, wir bleiben lieber für uns allein."
Hören sich so Koalitions- bzw. Sondierungsgespräche an? Mittlerweile seid Ihr ja vom hohen Roß gestiegen. Oder besser gesagt: Ihr seid vom Roß gefallen. Ihr müßt Euch irgendwie arrangieren. Und genau das gönne ich Euch. Ihr habt die jetzige Situation genau so verdient. Ihr habt Euch während des Wahlkampfes mit Dreck beschmissen, den jeweils anderen unfähig gestempelt. Jetzt müßt Ihr miteinander reden, Ihr müßt Lösungen finden und auf Phrasen verzichten. Ihr müßt gegebenenfalls sogar an einem Strang ziehen. Ich bezweifel zwar, daß Ihr das könnt, aber ich gönne Euch diese Erfahrung von ganzem Herzen. Macht was draus!
PS.: Bevor ich es vergesse: Die eingangs erwähnte Desorientierung habe ich Euch wohl am meisten gegönnt. Das schlechte Gefühl, nicht zu wissen, was als nächstes passiert, das Bangen um einen sicher geglaubten Job, dieses gewisse Zittern beim Blick in die Zukunft - das alles sind Erfahrungen aus denen Ihr lernen solltet. Für Euch mögen diese unguten Erfahrungen neu sein, ein Großteil des Wahlvolkes schlägt sich fast täglich mit solch bitteren Gefühlen rum.