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Knaupps Kolumnen

So einfach ist das!

So einfach ist das!

Schmiergelder, Lustreisen und Sexpartys - das sind doch mal Schlagzeilen. Warum regen sich bloß alle darüber auf? Nur weil es den ehemaligen Hartz-Reformer betrifft? Wir sollten endlich einmal begreifen, daß egal, welche Anstrengungen von politischen und wirtschaftlichen Größen unternommen werden, genau diese Anstrengungen nur zu unserem Besten sind. Und es ist doch schön zu wissen, daß es auf Partys in den Chefetagen noch menschlich bzw. fleischlich zugeht.
Aber nein, alle regen sich auf. Da bricht nun mal einer dieser unantastbaren Wirtschaftsbosse aus seinem traurigen Alltag aus, schon schreit der Mob. Dabei wollte der Arbeitsmarktreformer Peter Hartz auf seine alten Tage nochmal so richtig zeigen, daß er mehr kann als viel diskutierte Reformen auf den Weg zu bringen.
Als Arbeitsvermittler für russische Prostituierte (mit bürokratisch korrekter Aufenthaltsgenehmigung natürlich), und als Chefanimateur für wirtschaftliche Altgrößen und geile Betriebsräte hat er sich die eigene und deren Libido mal richtig was kosten lassen. Und wenn man schon aufs Geld nicht schauen muß, bzw. wenn man als mächtiger VW-Vorstand so richtig mit fremder Kohle schmeißen kann, dann sind da 2,6 Millionen Euro gar nichts. Und warum sollen nicht auch mal die Wirtschaftsbosse die Puppen tanzen lassen. Wenn es in der Leistengegend zwackt, muß Entspannung her. Oder sollte man sagen, große Köpfe müssen sich ab und zu mal das Gehirn freiblasen lassen!?
Nun gut, Veruntreuung hin oder her. Mit dem geschröpften Konzern traf es nicht die Ärmsten, und die angeworbenen Huren sollen, aufgrund der nicht mehr all zu agilen Kundschaft, das Geld relativ leicht verdient haben. Und wie letztendlich durch den Richterspruch deutlich wurde - für solch ein Kavaliersdelikt mit reuigem Geständnis gibt es Bewährung, die Geldstrafe wird aus der Portokasse bezahlt. So einfach ist das!
Der Vatikan in Rom versucht sich mittlerweile gegen Schmuddelskandale abzusichern.
Ja, auch die Kirche ist durch einige ihrer weltlich honorierten Würdenträger in Verruf gekommen. Bloß daß die nicht den Straßenstrich unterstützten, sondern das Heil und ihre Befriedigung bei den ihnen anvertrauten Schäfchen suchten. Von Sex-Skandalen und Neigungen der ekelhaften Art, von unheiligen Orgien und unterdrückter Sexualität durch das Priesteramt, die dann irgendwann ihr Ventil findet, hört man im Vatikan nicht gern.
Irgendwie erstarrte Rom im Mittelalter. Ich meine hier insbesondere die römisch-katholische Kirche, bzw. die alten Regeln, Dogmen, Grundsätze und Gebote der Gottesvertreter auf Erden. Keuschheit vor der Ehe, Kondomverbot, göttliche Strafen bei Mißachtung der Gebote, etc. ...
Um dieser Erstarrung Rechnung zu tragen und um von den Skandalen der jüngeren Zeit abzulenken, hat der Vatikan ein Homosexuellen-Papier verfaßt. Diese Instruktion besagt, daß ein schwuler Priester-Kandidat nachweisen muß, das er seine homosexuelle Neigung seit mindestens drei Jahren überwunden hat. Erst dann werde er zum Priesteramt zugelassen.
Na, ich sagte doch - die sind noch im Mittelalter. Wenn man mal den Blödsinn außer Acht läßt, daß ja generell jeder Priesteranwärter, auch der heterosexuelle, keinen Sex haben darf, hat die Kirche hier ein Ablenkungsmanöver versucht. Es wird eben nicht über die alten, gierigen Männer gesprochen, die sich an Kindern vergehen. Tabu bleibt Tabu.
So einfach ist das!