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Knaupps Kolumnen

Denken Sie positiv!

Denken Sie positiv!

Gute Nachrichten sind ja zur Zeit eher rar. Da freut man sich schon bei den klitzekleinsten Anlässen. So kann es schon ein persönliches Hochgefühl erzeugen, wenn in den kühler werdenden Tagen der hochglanzpolierte PKW mal nicht fäkales Anschlagziel von den abreisenden Vogelgrippeterroristen geworden ist. Ja, wir sind fast schon im Herbst. Laut Kalender ab dem 23. September, laut Gefühl so ungefähr seit dem 30. Juni. Aber ich will ja nicht meckern, der nicht eingetretene Sommer hatte ja auch sein Gutes. Man mußte kein teures Wasser verschwenden, um das dekorative Grün vor dem Verbrennungstod zu bewahren. Sehen Sie, es ist gar nicht so schwer, aus einer vermeintlich negativen Nachricht auch etwas Positives herauszukitzeln.
Denken Sie doch nur mal an die negativen Schwingungen, die bei der Verkündung der Pläne zur Gesundheitsreform durch unsere Land wabberten. Auch der quartalsfällige Zehner sorgte für Unmut in der Bevölkerung. Doch die Ulla Schmidt, ihres Zeichen Bundesgesundheitsministerin, hat recht behalten. Indem man, neben den schon vorher gesetzlich vorgeschriebenen Abgaben, einen weiteren Obolus abdrückt, stärkt man natürlich diejenigen, denen es so schlecht geht. In diesem Falle ging es den gesetzlichen Krankenversicherungen schlecht. Doch Siechtum und Genesungszeit sind längst vorbei. Und mittlerweile grinst Ulla über das ganze Gesicht.
Die neuesten Berechnungen haben ergeben, daß die gesetzlichen Krankenkassen im ersten Halbjahr 2007 ein Plus von gut 200 Mio. Euro zu verzeichnen hatten. Man bedenke dabei, daß jene Kassen 2006 nach einem anfänglichem Minus von 500 Mio. zum Ende des selbigen ein Plus von 1,6 Milliarden abfaßten. Auch der jetzige Überschuß wird nach Expertenmeinung bis zum Ende des Jahres noch immens steigen. Im letzten Quartal werden durch Sonderzahlungen wie das 13. Monatsgehalt oder das Weihnachtsgeld die Einnahmen noch einmal deutlich erhöht. Von oberster Stelle ließ man schon verlautbaren, daß dadurch ein erneuter Beitragsanstieg erst einmal unwahrscheinlich erscheint. Das nenne ich doch nobel. Nachdem seit Jahresanfang durch eine weitere massive Beitragserhöhung der monatlichen Pflichtzahlung um 0,7% mit unserer Kohle dieses riesiges Plus erwirtschaftet wurde, trägt man sich nun mit dem Gedanken, die jetzigen Beiträge erst einmal zu belassen. Ich bin gerührt.
Nun werden aber schon wieder die Stimmen der ewig nörgelnden Bevölkerung laut, die diese Überschüsse als Anlaß für eine Beitragssenkung benutzen will. Wie kann man nur auf solche Gedanken kommen? Das ging doch schon Anfang des Jahres nicht. Trotz der 1,6 Milliarden Euro Plus wurde die Pflichtzahlung erhöht. Da muß man, als einsichtiger Mensch, schon Verständnis haben. Die damaligen Begründungen verwiesen auf steigende Medikamentenpreise und die zusätzlichen Kosten durch die erhöhte Mehrwertsteuer. Ja gut, steigende Kosten und erhöhte Mehrwertsteuer sind auch an uns nicht vorübergegangen. Vielleicht wissen die Verantwortlichen ja nicht, daß auch wir so ein bißchen auf das Kleingeld angewiesen sind. Jedenfalls sollten die erwähnten Nörgler mal nicht nur an ihre eigene Brieftasche denken. Oder!? Eher sollten sie sich als Teil eines produktiven Ganzes sehen, als Geberanteil eben. Und wie eingangs erwähnt, zählt auch hier der positive Gedanke. Denken Sie einfach an die gesetzliche Gnade der momentanen Stagnation in der Erhöhung der Pflichtzahlung.
Dann gab es jetzt eine weitere interessante Meldung. Der Krankenstand in den Betrieben ist im ersten Halbjahr 2007 auf ein Rekordtief gefallen. Die Arbeitnehmer fehlten in den ersten zwei Quartalen dieses Jahres durchschnittlich nur 3,34 Prozent der Arbeitszeit. Diese Fehlzeiten entsprechen ca. 3,6 Arbeitstagen. Das ist der niedrigste Krankenstand im Osten seit der Wiedervereinigung und im Westen seit dem Jahr 1970. Na, wenn das keine tolle Nachricht ist.
Laut Einschätzung irgendwelcher wissenschaftlichen Mitarbeiter einer gesetzlichen Krankenkasse, sind diese niedrigen Krankenstände auf eine verbesserte Gesundheitsvorsorge und medizinische Fortschritte zurückzuführen. Na klar, wer so ein Plus einstreicht, muß natürlich auch irgendein positives Feedback vermelden.
Aber natürlich gibt es auch da gleich wieder nörgelnden Widerspruch aus den Reihen der Normalbevölkerung. Angeblich fürchten Arbeitnehmer um ihren Job, würden ihre Krankmeldungen zurückhalten, um den Arbeitsplatz nicht zu gefährden. Wer soll denn das glauben? Immer diese Schwarzseherei. Vielmehr sind wir doch verantwortungsvolle Staatsbürger. Wir zahlen für jegliche Reformen gern. Und auch wenn es schmerzt - wir verhelfen maroden Kassen zur Liquidität. Bevor wir durch Krankheit und Arbeitsausfall der Wirtschaft oder dem Staat zur Last fallen - behalten wir die Zipperlein für uns und erfüllen fleißig die geforderte Pflicht. Das hat aber nichts mit Existenzangst zu tun, wir sind eher politisch korrekte, positiv denkende Wirtschaftsunterstützer. Und für unseren selbstlosen Einsatz wollen wir - und kriegen wir wahrscheinlich auch nicht viel zurück.
Apropos Schwarzseherei. Die nächste Meldung kommt von den öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern. Den Fernsehzuschauern und Radiohörern in Deutschland flattern in den kommenden Jahren deutlich höhere GEZ-Gebühren ins Haus. Die Gebührenerhöhung von 2005 auf monatliche 17,03 Euro hat nun mal nicht ausgereicht. Bei all den hochkarätigen Funk- und Fernsehbeiträgen wohl kein Wunder. Und da die Hauptfinanzierungsform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks die Zwangsgebühr ist, haben wir diese natürlich widerspruchslos zu bezahlen.
Und jetzt müssen Sie, liebe Leser, wieder positiv denken. Durch Ihre, sicherlich nicht ganz freiwillige, Mitfinanzierung haben Sie natürlich großen Anteil an den Produktionen, der Gestaltung und Verbreitung von öffentlich-rechtlichen Programmen. Sie sind also Sponsor für die 100 Millionen Folgen der „Lindenstraße", die zahlreichen Feste der Volksmusik, für „Camper & Co", „Reich und Schön", „Familie Dr. Kleist" ....... Toll, was!? Wer wollte da noch kleinlich sein? Denken Sie positiv!