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Knaupps Kolumnen

Nur das Nötigste?

Nur das Nötigste?

Hier eine traurige Nachricht für einige männliche Kassenpatienten: Gesundheitsreform und Verfassungshüter verweigern Viagra auf Kassenrezept! Laut einer Pressemitteilung müssen Quartals-Zehner-zahlende Männer, die an krankheitsbedingten Erektionsstörungen leiden, die Kosten für das potenzhebende Mittel selbst zahlen.
Nun denken Sie vielleicht: „Der Knaupp hat mal wieder ein bescheuertes Thema, was geht mich das denn an?". Ich glaube Ihnen natürlich, daß Sie keinerlei Störungen haben, aber lesen Sie ruhig weiter - es wird hintergründiger.
Ich stutzte bei dieser Meldung, weil weiterhin aus ihr hervorgeht, daß potenzgestörte Beamte finanzielle Unterstützung beim Viagra-Kauf erhalten. Staatsbedienstete haben also Anspruch auf Viagra. Daß Beamte in solchen Fällen Beihilfen für den Viagra-Kauf erhalten, liegt am „besonderen beamtenrechtlichen Schutz" und der Struktur ihrer Krankheitsvorsorge.
Bis zur Einführung der Gesundheitsreform waren hier vor dem Gesetz auch unter der Gürtellinie alle gleich. Quasi, Viagra für alle. Seit der Gesundheitsreform ist das nun vorbei. Das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung schließt sämtliche Arzneimittel zur Behandlung sogenannter „erektilen Dysfunktion" aus dem Leistungskatalog dieser Kassen aus. Da hilft auch kein Klagen. Das Bundesverfassungsgericht veröffentlichte Anfang April 08 einen Beschluß, der den Gesetzgeber und die gesetzlichen Kassen klar unterstützt. Doch das Verfassungsgericht geht noch weiter. Nach Ansicht der Verfassungshüter ist es völlig korrekt, wenn der Gesetzgeber bestimmt, daß die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen „ausreichend, wirtschaftlich und zweckmäßig" zu sein haben. Deshalb seien die gesetzlichen Krankenkassen nicht in der Pflicht, „alles zu leisten, was an Mitteln zur Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit verfügbar ist", heißt es in dem Beschluß.
Ich weiß jetzt nicht wirklich, warum ein potenzgeschwächter Beamter sich, in Sachen Viagra, auf seinen besonderen beamtenrechtlichen Schutz berufen kann, und eigentlich ist es mir auch egal. Also lassen wir den Viagra-Aufhänger mal weg.
Mir geht es hier vielmehr um die zweite Aussage. Eine Aussage, die mittlerweile gesetzlich verankert ist. Die gesetzlichen Krankenkassen sind nicht in der Pflicht, alles zu leisten, was zur Erhaltung und zur Wiederherstellung der Gesundheit nötig ist! Der Kassenpatient soll ausreichend, wirtschaftlich und zweckmäßig behandelt werden. Hört sich das etwa an wie „nur das Nötigste"?