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Knaupps Kolumnen

Wie Hohn

Wie Hohn

So, jetzt geht es ans Eingemachte. Haben wir uns im letzten Jahr noch aufgeregt, daß der Liter Benzin den kostenintensiven Höchststand von 1,49 Euro erreichte, erscheint uns aus heutiger Sicht dieser Preis fast noch akzeptabel. Und genau daran kann man sehen, wie geduldig und lenkbar wir sind. Wir bekommen einen unangenehm dicken Brocken vorgesetzt und sind natürlich unzufrieden. Kurz danach knallt man uns einen noch fetteren Brocken vor den Latz, und wir trauern dem vorherigem dicken Brocken nach. Finden wir uns mit immer neuen Rekordständen ab? Ja, es scheint wohl so. Denn wir sind machtlos und abhängig. Machtlos gegen die Preistreiberei, abhängig vom Kraftstoff, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber nicht nur dem privaten Ottonormalverbraucher wird richtig in die Tasche gegriffen. Auch die Dienstleister bluten langsam aus. Busunternehmen, Fahrschulen, das Transportgewerbe, Taxiunternehmen - die Liste ist lang. Mittlerweile stehen weit über 100.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, von Firmenschließungen ist die Rede.
Aber die Spirale dreht sich weiter. Das Loch, daß die lebensnotwendige Betankung in den Geldbeutel frißt, wird sich auf die bisherige Kaufkraft niederschlagen. Die mittelständischen Unternehmen werden die ersten sein, die den Kaufkraftverlust ihrer Kunden an weniger Umsatz messen können. Familien mit Kindern, die logischerweise finanzielle Mehrbelastungen haben, werden die Kostenexplosion an den Tankstellen mit reduzierten Konsumausgaben ausgleichen müssen. Gewinner gibt es hier nur wenige. Die Konzerne, die mit Rohöl den Markt bestimmen, reiben sich natürlich die Hände. Hier klingelt es lautstark in der Tasche. Doch der Hauptverdiener läßt sich ganz klar lokalisieren. So empörte sich der ADAC-Chef Meyer: „Die wahren Ölscheichs sitzen in Berlin." Die Aussage des Bundesfinanzministeriums, daß der Staat an der Explosion nicht mitverdiene, muß hier wohl nicht erläutert werden.
Nach Berechnungen des Automobilclub von Deutschland (AvD) nimmt der Staat durch die hohen Spritpreise, in diesem Jahr gut drei Milliarden Euro mehr ein als 2007. Durch Mineralölsteuer, Ökosteuer, Mehrwertsteuer und Erdölbevorratungssteuer fließen aktuell (1,58 Euro pro Liter) bei einem Liter Super rund 0,99 Cent ins Staatssäckel. Das bedeutet: zwei Drittel jeder Tankstellenrechnung gehen in den Staatshaushalt. Jede andere Aussage ist Augenwischerei.
Auch die Behauptung, daß man von Regierungsseite hier nicht eingreifen kann, ist gelogen. Man will nicht eingreifen! Eine Abschaffung der Ökosteuer, der Kfz-Steuer bzw. die Senkung der Mehrwertsteuer wäre nicht nur eine plausible Handlung, diese Maßnahme würde auch ein deutliches Zeichen setzen. Ein Zeichen, auf das die Verbraucher ein Anrecht haben.
In einer Zeit, in der sich die Regierung um ein fadenscheinig soziales Profil bemüht, wird deutlich, wo das soziale, familienfreundliche Engagement endet. Das Sprichwort: „Bei Geld hört die Freundschaft auf" trifft hier den Nagel auf den Kopf. Der auf die gestiegenden Spritpreise bezogene Rat der Bundeskanzlerin Merkel an die Verbraucher: „Bei den Energiekosten müssen wir jede Möglichkeit nutzen zu sparen" und: „Bei Neuanschaffung sollten die Verbraucher Autos mit geringem Spritverbrauch kaufen", klingt mit dem Wissen um die Staatseinnahmen wie Hohn.