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Knaupps Kolumnen

Wunderdiät

Haben Sie eine Bikinifigur? Also, ich habe keine Bikinifigur! Und mittlerweile ist es so warm, daß man genötigt ist, kritisch an sich herunterzuschauen. Jetzt fragen Sie sicherlich, warum ein Kerl über „Bikinifigur" schreibt, aber ich weiß nicht, wie man die ansehnliche Badefassade der männlichen Freischwimmer nennt. In den Medien geht es immer nur um besagte B-figur - dann bleib ich auch dabei. Und von einem Waschbrettbauch möchte ich zum Selbstschutz gar nicht erst schreiben. Obwohl ich einen habe. Aber es ist ja erwiesen, daß mit den Jahren fast jedes Waschbrett etwas verbeult. Das hat natürlich nichts mit falscher Ernährung zu tun, Schuld ist allein der Genuß von frischen Orangen (Orangenhaut !!!)
Fakt ist, der Sommer ist da, und das Leibchen in Größe L spannt um die Hüften. Gerade in dieser Jahreszeit gibt es ja überall die tollsten Abnehmtips. Fast jede Zeitung, jedes Magazin, jede sogenannte Livestyle-Sendung kommt mit erfolgversprechenden Diätvorschlägen daher. Von Turbo- und Blitzdiäten ist die Rede, „Fünfzehn Kilo abnehmen in nur zwei Wochen", „In zehn Tagen zur Bikinifigur", und so weiter, und so weiter. Da gibt es Psycho-Tips, bei denen man den inneren Schweinehund überlistet und mit wenig Nahrung überlebt. Da gibt es super Fitnessprogramme, die jeder Promi schon getestet hat, und die bei täglicher Anwendung selbst mich aussehen lassen wie Claudia Schiffer. Aber das möchte ich eigentlich nicht.
Ich habe mal versucht, mich durch dieses Wirrwarr von medialen Abnehmstrategien zu kämpfen - und ich habe die „Knauppsche-Wunderdiät" erfunden. Natürlich muß ich mich, wie alle FAT-BURNER-Gurus absichern. Sie müssen also selbst entscheiden, ob Sie mit meiner Diät abnehmen wollen. Der erste Tag dieser Diät ist der intensivste. Die restlichen fünf Tage sind Selbstläufer.
Die Knauppsche Wunderdiät - 20 Kilo in nur sechs Tagen:
Der 1. Tag: Schon der Morgen wird mit gedämpftem Gemüse, vor allem Kohl und Spargel, der zudem entwässernd wirkt, beginnen. Man sollte natürlich drei Stunden zeitiger aufstehen, schließlich soll das Gemüse frisch zubereitet werden. Außerdem müßt Ihr ein vorheriges zweistündiges Lauftraining einplanen. Zum zweiten Frühstück wären zwei Liter stilles, mineralarmes Wasser oder Molke bzw. Buttermilch ideal. Es könnte natürlich sein, daß sich der gedämpfte Kohl nicht mit den Molkereiprodukten verträgt, und Sie deshalb erbrechen müssen. Machen Sie sich keine Gedanken, damit sind auch die letzten Quentchen bösartiger Kalorien wieder verschwunden. Nun könnte es bis zur Mittagzeit passieren, daß Sie mehrmals dringend die Sanitärkeramik aufsuchen müssen. Keine Panik, der Körper trennt sich von überschüssigem Ballast.
Jetzt ist genau der richtige Zeit für ein lockeres Ausdauertraining. 30 Minuten um den Häuserblock und um das Gewebe zu straffen, ist ein anschließendes Workout mit Sit-ups für den Bauch, Kniebeugen für Arsch und Beine und Hanteltraining für die Arme dringend anzuraten. Mittlerweile sind die Außentemperaturen auf 30 Grad angestiegen, beste Vorraussetzungen für unsere Diät.
Nach dem lockeren Ausdauertraining haben Sie sich ein gutes Mittagessen verdient. In der Mittagspause gibt es rohen bzw. gedämpften Fisch. Hierbei wäre zu beachten, daß der Fisch vorher schon einen Tag in der prallen Sonne gelegen hat. Dazu genießen Sie ein Glas stilles Wasser mit zwei Teelöffeln Apfelessig. Lecker.
Nun kann es passieren, das Magenkrämpfe und Übelkeit auftreten. Lassen Sie sich von diesen unwichtigen Nebenerscheinungen nicht die Laune verderben, schließlich befinden Sie sich auf dem richtigen Weg zur Traumfigur.
Jetzt haben Sie die richtige Form, um extreme sportliche Anstrengungen zu verkraften. Mit einem Marschgepäck von 18 Kilo begeben Sie sich auf einen fünfzehn Kilometer langen Fußmarsch. Natürlich in gehobenem Laufschritt. Wer es sich zutraut, darf auch 20 Kilometer laufen. Um die Diät voranzutreiben ist es ab sofort wichtig, keinerlei Flüssigkeit mehr zu sich zu nehmen. Sollten jetzt irgendwann die Lippen aufspringen und Würgeanfälle den Körper schütteln - keine Angst, das ist normal und gehört zur Diät. Nach dem Fußmarsch werden Sie sich etwas matt fühlen. Hier helfen 20 Minuten Liegestütze.
Mittlerweile ist es Zeit für die abendliche Mahlzeit. Ich empfehle 500 Gramm Haferflocken pur. Nicht vergessen - keine Flüssigkeitsaufnahme! Danach haben Sie das Anstrengendste geschafft. Nach fünf Kilometern Sackhüpfen durch eine Ortschaft ihrer Wahl, können Sie ins Bett gehen. Sie könnten aber auch aufbleiben, an Schlaf ist jetzt nicht mehr zu denken. Sie werden von Fieberkrämpfen geschüttelt, kleine rote Bläschen erscheinen auf dem Gesicht, und der Brechreiz gilt nur noch den Haferflocken und etwas Gallenflüssigkeit. Alle fünfzehn Minuten wird Ihnen jetzt schwarz vor Augen. Das ist ein sehr gutes Zeichen, der Körper suggeriert, daß die Diät hundertprozentig anschlägt.
Und jetzt ist es unbedingt wichtig, die medizinische Nothilfe anzurufen und dem Notarzt den absolvierten Diätplan zu schildern. Nach wenigen Minuten werden Sie abgeholt und in ein Krankenhaus verfrachtet. Sie können jetzt aufatmen, der schwierigste Teil der Diät liegt hinter Ihnen. Im Krankenhaus werden Sie ohnmächtig.
Und damit sind wir schon beim zweiten Tag: Noch ohnmächtig, die Ärzte versuchen ihren Kreislauf zu stabilisieren. Kalorienreiche Nahrungsaufnahme findet nicht statt, die Pfunde purzeln.
Der dritte Tag: Sie befinden sich im Dämmerzustand, hängen am Tropf, kalorienreiche Nahrungsaufnahme findet nicht statt, die Pfunde purzeln.
Der vierte Tag: Sie sind mittlerweile wach, aber noch geistig umnachtet. Eine kalorienreiche Nahrungsaufnahme findet nicht statt, die Pfunde purzeln weiter.
Der fünfte Tag: Geistig wieder voll da, der Körper verweigert aber jegliche Nahrungsaufnahme. Und die Pfunde purzeln.
Der sechste Tag: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben es geschafft. Nun gut, die Ärzte sind leicht gestreßt, einige der Organe versagen. Aber, wenn Sie es jetzt noch schaffen sollten, an ihrem Körper herunter zu schauen, Sie wären stolz auf sich. 20 Kilo in sechs Tagen - die perfekte Bikinifigur.