Zeitung lesen
Knaupps Kolumnen

Watt is'n nu los

Heute möchte ich Euch mal gratulieren. Ja, Euch meine ich. Aber eigentlich müßte ich uns allen gratulieren. Warum? Na, nun tut doch nicht so, als wenn Ihr das nicht wüßtet. Ihr gehört doch, genau wie ich, auch zu den Überlebenden. Wir alle leben in einer Welt voller Gefahren, voller heimtückischer Feinde und widriger Lebensbedingungen. Lebensbedingungen, die unser aller Gesundheit bedrohen. Gut, das wißt Ihr schon lange, aber habt Ihr mal zusammengerechnet, mit wie vielen Geißeln wir in den letzten Jahren medial bombardiert worden sind? Man gewinnt ja den Eindruck, daß da irgendwo ein Nachrichtenterrorist sitzt, der einen wöchentlichen Abgabetermin für Hiobsbotschaften einhalten muß.
Ich habe mich mal geopfert, ich habe bis zum Übelwerden recherchiert. Hier kurz eine Zusammenfassung von Schlagzeilen, die in den letzten Jahren bei der Öffentlichkeit mehr als nur ein flaues Gefühl in der Magengrube hinterlassen haben.
Ganz oben auf der schwarzen Nachrichtenliste stehen Nahrungsmittel. Früher hat man diese Dinge in den Mund gesteckt, um zu überleben. Heute könnte man in Gefahr laufen, daran zu sterben. Mittlerweile sind wohl mehr Gifte als Vitamine in unserem Essen. Pestizide auf Obst und Gemüse, krebserregendes Acrylamid in Kartoffelchips und Pommes Frites, allergieauslösendes Gen-Soja in Babynahrung, hochgiftige Färbemittel in Gewürzen, giftige Substanzen in Olivenöl, knochenmarksschädigendes Chloramphenicol in Shrimps, die Darmschleimhaut zerstörende Bakterien in Käse und Butter, Unkrautvernichtungsmittel im Getreide. Mittlerweile wissen wir ja auch alle, daß BIO nicht gleich BIO ist.
Was aber natürlich toll ist: unsere Lebensmittel halten sich super lange. Konservierungsstoffe und Nahrungszusätze sind da wahre Zaubermittel. Obwohl ja der Nahrungszusatz Nummer 1 - also dieses Glutamat, in einer gewissen Konzentration als Nervengift wirkt.
Das mit den fleischlichen Nahrungsgelüsten ist auch nicht mehr so einfach. Seit Jahren zeigt uns die geknechtete Tierwelt ganz klar, daß sie am längeren Hebel sitzt. Als Rache der unterdrückten Kreatur schickte die uns den Rinderwahn und die Schweinepest. Eine alljährliche Salmonellenattacke unterwandert ein eventuell aufkommendes Sicherheitsgefühl, und die Kamikazeeinheiten mit der Geflügelgrippe-Bombe hielten das Land in Atem. Und wenn mal gerade nichts Verseuchtes in den Kühlregalen liegt, wird ganz schnell Abhilfe geschaffen. Überlagertes Hackfleisch wird umetikettiert, aus Gammelfleisch wird Wurst gemacht, bakteriell verseuchter Räucherlachs wird vakuumverpackt.
Jetzt könnte man ja sagen „Na, dann esse ich weniger und trinke dafür mehr." Auch keine gute Idee. Benzol und gesundheitsschädigende Hormone in Fruchtsäften, uranbelastetes Mineralwasser, Chemikalien in Gemüsesäften und Glyzerin im Wein - soll wohl auch nicht wirklich gesund sein. Zum Glück hat noch keiner ein gesundheitliches Defizit am deutschen Reinheitsgebot entdeckt. Ach so, das mit den Schnäpsen ist auch so eine Sache. Manche machen blind, andere eine dicke Leber.
So, da staunt Ihr über das Ausmaß der Misere. Fakt ist aber, wir wurden alle nachrichtentechnisch informiert. Soll keiner hinterher sagen, er hätte das nicht gewußt. Jetzt liegt es bei jedem selbst, sich zu schützen. Und so schwer kann das ja nicht sein.
Ich will hier auch keine Angst machen. Ich möchte nur, daß Ihr ein bißchen auf euch aufpaßt. Vielleicht stellt Ihr den bisherigen Lebenswandel etwas um. Ich meine ja nur, was die Nahrungsaufnahme betrifft. Na ja, mit den Getränken solltet Ihr wohl auch etwas vorsichtiger sein. Das Rauchen wird eh bald komplett verboten, wegen der Gefahr für Herz, Lunge und die Spermazoten. Das mit den Spermazoten gilt aber nur für Männer.
Ach so, es wäre wohl besser, man bliebe jetzt auch häufiger zu Hause. Das Ozonloch wird schließlich auch nicht kleiner. Grillen, Lagerfeuer und tief einatmen sollte nach Möglichkeit auch vermieden werden - Ihr wißt schon: der Feinstaub. Aber sonst können wir so weiterleben wie bisher. Bloß noch das Telefonieren mit dem Handy einstellen, die Strahlungen aus den Geräten sind nicht gesundheitsbegünstigend. Die Aufführungen der Nebenwirkungen auf den Packungsbeilagen von Medikamenten sollten auch etwas besser gelesen werden. Und vielleicht sollten wir auch nicht so viel mit dem Fahrrad fahren. Das verursacht Hodenkrebs. Jedenfalls bei Männern. Was das Radfahren bei Frauen auslöst, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Gesund wird es wohl auch da nicht sein.