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Knaupps Kolumnen

... es könnte stinken!

Heute gleich zum Anfang eine Hiobsbotschaft. Nein, es geht wieder nicht um die allgegenwärtige Finanzkrise. Ich werde auch nicht schreiben, daß ich es als unglaubliche Zumutung empfinde, wenn die gierigen und aufgeblasenen Banker und Finanzspekulanten nicht wegen Veruntreuung und vorsätzlichen Betruges angeklagt werden. Ich werde auch nicht schreiben, daß ich der Meinung bin, daß die privaten Konten der Verantwortlichen gepfändet werden müßten, bis jegliche verlorene Kohle wieder da ist. So dürftig sieht es auf den Konten der Großverdiener ja sicherlich auch nicht aus. Stattdessen muß eine sogenannte Staatshilfe greifen, die Millionen von Euro Steuergelder in den desolaten Finanzmarkt buttert.
Sicher, ein paar Köpfe rollen schon, aber das sind nur die sogenannten Bauernopfer. Die werden zur Volksberuhigung geschlachtet - mit angemessenen Abfindungen natürlich. Die richtig Fetten, die mit den Gehältern in Millionenhöhe, kommen auch hier wieder locker raus. Einen Ehrenkodex scheint es nicht zu geben. Statt mit fremdem Geld verantwortungsvoll zu agieren, wird in irrsinnigen Finanztransaktionen anvertrautes Geld verbraten, werden Kredite für längst verwesende Projekte genehmigt und somit die Wirtschaft in die Schieflage gekippt. Kleine ahnungslose Anleger werden durch geldgeile Finanzberater in höchst riskante Finanzgeschäfte verwickelt und verlieren ihre Ersparnisse.
Doch die Schuldigen sitzen nicht nur an der Börse, in den Chefetagen riskant spekulierender Banken oder in noblen Beraterbüros. Sie sitzen ebenso in der Politik, in Aufsichtsräten und in beobachtenden Wirtschaftsgremien. Das sind die Blinden, die aus Postengeilheit, Selbstüberschätzung und Machtgier so tun, als wären sie sehend. Und obwohl zur Zeit die Verantwortlichen versuchen, in etwas ruhigere Gefilde zu segeln - beim nächsten heißen Zocken sind genau dieselben Falschspieler wieder vorn mit dabei.
Doch ich will ja heute nicht über die Finanzkrise schreiben, ich habe ja eine ganz andere Schreckensbotschaft für Sie: die Weihnachtsbäume werden knapp! Ehrlich, die haben es in den Nachrichten gebracht. Angeblich kaufen die Deutschen jährlich 25 Millionen Festtagserheller - vorraussichtlich fehlen in diesem Jahr 4 Millionen. Und wer ist Schuld? Die Europäische Union! Die hat mit einem feigen weihnachtsboykottierenden Ansinnen den armen Waldbauern hohe Prämien gezahlt, damit diese ihre Weihnachtsbaumbestände platt machen und das Land in Ackerland umwandeln. Damit sollte angeblich ein Weihnachtsbaumüberangebot verhindert werden. Jetzt haben die Waldbauern keinen Wald mehr und wir werden wohl mit Plastik vorlieb nehmen müssen.
Aber, das wäre auch nicht so schlimm. So entkommt man wenigstens dem Gestank. Wie, Weihnachtsbäume stinken nicht? Aber doch, die Dinger können auch extrem unangenehm werden. Erst recht, wenn ein arglistiges Waldgetier genau an Ihrem Baum über einen längeren Zeitraum sein Revier gekennzeichnet hat. Das fiese an dieser Geruchsattacke ist, daß sie sich erst nach einer gewissen Zeit im warmen Zimmer ausbreitet. Also eigentlich genau dann, wenn alle weihnachtlichen Schmuckelemente angebracht sind, der Lamettakram und die Lichterkette hängt - erst dann, wenn man ein bißchen Ruhe hat, um den Anblick zu genießen. Dann fängt es an zu stinken - und wie!
Sie glauben mir nicht? Seien Sie vergewissert, so etwas kann passieren. Ich durfte diesen spezifischen Geruch schon wahrnehmen. Und ich kann ihnen sagen, da haben Sie keine Lust mehr, „O Tannenbaum" zu schmettern oder mit weihnachtlich verzerrtem Gesicht ums Tannengrün rumzufrohlocken. Glauben Sie mir.
Also, falls Sie in diesem Jahr zu denen gehören, die keinen echten Baum erhaschen - nicht traurig sein. Bei Ihren Nachbarn könnte es stinken!