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Knaupps Kolumnen

... nur Spekulationen

So richtig locker bin ich heute nicht. Irgendwie fehlt mir der richtige Plan. Vielleicht liegt es ja am Wetter. Erst friert man wie besagtes Laub der Espe, eine Stunde später schwitzt man sich das wollende Leibchen durch. Vom Wetterbericht fühlt man sich auch im Stich gelassen. Kachelmann und Co. haben sich zwar als Wetterpropheten etabliert, aber die Trefferquoten der täglichen Berichte bringen mich immer wieder dazu, wettertechnisch vollkommen falsch gekleidet zu sein. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, daß die hier eine einäugige Wahrsagerin aus der Puszta engagiert haben, die die Wettervorhersage in einer Glaskugel liest. Die Erkenntnisse der Alten werden dann an die zuständigen Meteorologen weitergeleitet - und als wissenschaftliche Tatsachen deklariert. Aber, das sind natürlich nur Spekulationen.
Apropos Spekulationen. Wer ist eigentlich Scholli? Wie, Sie kennen den auch nicht? Aufmerksam wurde ich auf besagten Herren, als ich durch eine mir nahestehende Person auf irgendeine Sache hingewiesen wurde, die wohl irgendwie besonders schien. Da dieser Hinweis aber mit den Worten „Mein lieber Scholli ..." begann, biß sich mein Gehirn an den drei Worten fest, statt auf die hingewiesene Sache zu achten. Jetzt bohrt die Frage: Wer ist Scholli? Scholli soll wohl ein Lieber sein. Aber vielleicht ist er auch ein sogenannter Schläfer, ein Terrorist! Es liegt doch eigentlich auf der Hand. Jeder hat von ihm gehört, aber keiner kennt ihn. Aber, das sind natürlich nur Spekulationen.
Nun bin ich ja hartnäckig. Also sprach ich die Scholli-Problematik im Freundeskreis an. Doch auch hier konnte mein Wissensdurst nicht gestillt werden. Dafür verwies man mich aber an den lieben „Herrn Kokoschzinski" und den lieben „ Herrn Gesangsverein". Die wüßten wohl über den lieben Scholli genau Bescheid. Da haben wir den Salat. Das scheint eine ganze terroristische Vereinigung zu sein. Mich würde ja nicht wundern, wenn Scholli, Kokoschzinski und der Herr Gesangsverein für die Schweinegrippe verantwortlich sind. Aber, das sind natürlich nur Spekulationen.
Da habe ich gleich noch eine brisante Frage. Warum kleben die Etikettenkleber bei Schwedens Exportschlager IKEA die Etiketten für Selbstaufbausätze wie „Smörre", „Knörre", „Dörre" oder „Sörre", die mittlerweile in Polen produziert werden, immer auf das unbehandelte Holz? Reicht es nicht, wenn nach Fertigstellung des Endproduktes immer noch eine Handvoll Schrauben übrig bleibt? Muß man sich nun auch noch beim Etiketten raspeln die Fingernägel abbrechen? Sind hier etwa heimwerkerverachtende Mächte am Werk? Aber, das sind natürlich nur Spekulationen.
Dann gibt es noch die Sache, daß ich mit einigen Verpackungsmaterialien so meine Not habe. Manchmal bekomme ich ganz profane Plastebehältnisse nicht auf. Irgendein genießbarer Inhalt, mindestens vierzig Jahre haltbar, lächelt mich an. Ich komme aber nicht ran. Was bewegt die Verpacker dazu, ihre Produkte so zu verschließen, daß man ohne Waffengewalt ihrer nicht habhaft wird? Geht es hier etwa darum, den Hungrigen in den Wahnsinn zu treiben. Steckt etwa die Pharmaindustrie dahinter? Wird hier vielleicht ein neuer Absatzmarkt für Beruhigungsmittel vorbereitet? Aber, das sind natürlich nur Spekulationen.