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Knaupps Kolumnen

Positiv denken!

Kennen Sie diesen Slogan auch? Positiv denken - diese zwei Wörter bekommt man ja immer öfter um die Ohren gehauen. Besonders in Situationen, in denen man diese Wörter eigentlich nicht hören möchte. In Situationen, die eigentlich keine positive Denkweise erfordern. Wie soll ich zum Beispiel positiv reagieren, wenn mein Auto frisch aus der Waschanlage kommt und die Windschutzscheibe etwa zehn Minuten später mit Vogelexkrementen, die auch von Flugsauriern stammen könnten, besch(m)issen wird? Was soll Positives daran sein, wenn man mit einem Becher Joghurt ganz hinten in der Schlange, vor der einzig offenen Supermarktkasse, steht? Nachdem man dem Vordermann aus Versehen in die Hacken gefahren ist, dieser dann sein Gesicht zur Faust geballt hat, braucht man auf ein eventuelles Vorlassen auch nicht mehr zu hoffen. Positiv denken - also ich weiß nicht. Erst recht nicht, wenn ich in einer fremden Stadt unterwegs bin, mir ein sogenanntes Navigationssystem immer zu teuer war - und plötzlich feststellen muß, daß mein ADAC-Atlas höchstwahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert stammt. Völlig desorientiert vergesse ich dann oft positiv zu denken. Oder - die Sache mit diesem ShowView, diese superklasse Vorrichtung am Videorecorder. Man gibt die der Fernsehzeitung entnommene Codenummer ein, die für das Programm, den Beginn - bzw. das Ende einer Sendung steht. Eigentlich könnte man dann verreisen oder einfach schlafen gehen. Der Videorecorder sollte sich zur eingespeicherten Zeit ein- und ausschalten. Macht er auch. Da sich Sendezeiten aber oft nach hinten verschieben, und nicht jeder Sender Startsignale aussendet, ist ShowView dann kompletter Blödsinn. Mir fehlt regelmäßig das Ende des Beitrages. Wie soll ich da positiv denken?
Und so gibt es viele alltägliche Sachen, die mir ein positives Denken schier unmöglich machen. So brauchen meine morgendlichen Gesichtfalten immer längere Regenerierungszeiten. Wenn ich die Beeskower Innenstadt auf der Parkplatzsuche dreimal umrundet habe, springe ich vor Freude auch nicht im Dreieck. Habe ich einen wichtigen Geburtstag vergessen, ist der Büroschlüssel verloren gegangen - in diesen Momenten kann ich nicht positiv denken. Warum auch?
Eigentlich habe ich ja eine positive Grundeinstellung. Ich habe aber keine Lust, meine Zeit mit dem Versuch zu vertrödeln, aus jedem Blödsinn etwas Positives herauszufiltern? Ich murmel dann lieber dieses böse Wort, auf das sich auch „Neiße" reimt, und schon geht es mir wieder besser.