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„Nichts wird mehr verschleiert“ - Interview mit Fürstenwaldes neuem Bürgermeister Matthias Rudolph

Die Bürgermeisterwahl in Fürstenwalde hat ein überraschend eindeutiges Ergebnis gebracht. Bereits im ersten Wahlgang erreichte der unabhängige Kandidat Matthias Rudolph vom BFZ (Bündnis Fürstenwalder Zukunft) die absolute Mehrheit. Amtsinhaber Hans-Ulrich Hengst landete weit abgeschlagen bei 34,5 Prozent.
Ich traf Matthias Rudolph, mit dem wir seit 2010 in der FW redaktionell zusammen gearbeitet hatten (siehe dazu auch den Kommentar auf Seite 3), am Mittwoch nach der Wahl zum Gespräch im Hauke-Verlag.

FW: Was ist Ihrer Meinung nach der Hauptgrund, dass Sie so deutlich gewonnen haben?
Matthias Rudolph: Ich glaube viele Menschen haben darauf gewartet, dass jemand kandidiert, der nicht aus dem jahrzehntelangen System kommt. Und dann kommt dazu, dass ich aus Fürstenwalde stamme. Einerseits galt ich als unbekanntes und unbeschriebenes Blatt, andererseits bin ich über sehr viele Wege doch sehr gut vernetzt. Es war schön zu erleben, wie viele Menschen mich aktiv unterstützt haben. Die Leute in der Stadt wussten: Der Rudolph lässt sich nicht einschüchtern. Der gehört nicht irgendwie dazu, sondern kommt aus der einzigen echten Opposition in Fürstenwalde. Außerdem sind wir (das BFZ) in den letzten vier Jahren, in denen wir in der Stadtverordnetenversammlung sitzen, glaubwürdig geblieben. Die, die uns 2014 gewählt haben, wussten, dass sie auf uns setzen können. Es waren so unglaublich viele Menschen vor der Wahl richtig motiviert und kamen mit Ideen auf mich zu. Hinzu kommt noch: der amtierende Bürgermeister hat mir ja eigentlich unfreiwillig geholfen, indem er sich bei jeder Gelegenheit an meinem Programm abgearbeitet hat. Ich hatte praktisch den prominentesten Wahlkämpfer der Stadt auf meiner Seite....

FW: Was werden Sie als erstes anpacken? Gibt es eine Art 100-Tage-Programm?
Matthias Rudolph: Ich werde als erstes eine Bürgermeistersprechstunde einführen. Sie soll einmal pro Woche im Foyer des Alten Rathauses stattfinden. Je nachdem wie groß der Bedarf ist.
Dann werden wir die Kitagebührensatzung entsprechend dem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes überarbeiten. Wir haben zurzeit in der Kalkulation der Kitagebühren Positionen integriert, die dort einfach nicht reingehören. Ich werde diese neue Kalkulation dann offenlegen. Transparenz ist mir ganz wichtig. Ich möchte überhaupt so viel Transparenz herstellen wie möglich. Eine ähnliche Baustelle haben wir auch noch im Bereich des Mittagessengeldes.

FW: Dann ich nehme Sie gleich mal beim Wort und biete Ihnen an, dass Sie ab Amtsantritt in der FW regelmäßig über Ihre Arbeit in einer Kolumne informieren können. So könnte der Bürger auch nachvollziehen, was Sie anders machen.
Matthias Rudolph: Vielen Dank. Das machen wir! Ich hab ja schon vor acht Jahren bei Ihnen geschrieben...

FW: Aber zurück zu Ihrem Sofortprogramm.
Matthias Rudolph: Die Sauberkeit im Bahnhofsbereich wurde mir im Wahlkampf fast täglich als Problem geschildert. Hier werde ich direkt ansetzen. Dann werde ich in den ersten Wochen versuchen, alle städtischen Mitarbeiter kennenzulernen, in den Kitas, den Horten, den Grundschulen, bei der Feuerwehr und natürlich im Rathaus. Weiterhin schaue ich mir den Umsetzungsstand bereits beschlossener Projekte und vor allem auch Ausschreibungen für Bauprojekte an. Ich habe angekündigt, für Wirtschaftsförderung und Arbeitsplatzsicherung mehr Aufträge an Firmen aus Fürstenwalde und den Landkreis zu vergeben und das möchte ich ebenfalls zeitnah angehen.

FW: Im Wahlkampf wurde Ihnen vorgeworfen, dass Sie Ihre Versprechen eh nicht umsetzen können, da die Stadtverordneten Sie dabei nicht unterstützen werden.
Matthias Rudolph: Das haben mir die etablierten Parteien – auch als eine Art Drohung – immer wieder gesagt. Allerdings haben dieselben Parteien das Budget für Verwaltungshandeln für Herrn Hengst auf 75.000 Euro hochgesetzt. Das gibt schon einigen Spielraum für das Handeln des Bürgermeisters. Aber vielleicht werden sie das Budget ja wieder runter setzen, um mich zu blockieren. Wer weiß.

FW: Außerdem werden Stellen im Rathaus neu besetzt werden müssen.
Matthias Rudolph: Richtig, der Kämmerer scheidet zum 30.06. aus. Möglicherweise hat auch er noch Resturlaub. Und zwei Fachbereichsleiterstellen sind auch neu zu besetzen. Das fällt ebenfalls in meine ersten 100 Tage.

FW: Die Parteien in der SVV haben – wie in diesem Gespräch schon angedeutet – mit Widerstand und Blockade gegen Sie gedroht.
Matthias Rudolph: Ich denke, dass davon viel Wahlkampf war und wenn ich im Amt bin man sich auch zusammensetzen wird und Lösungen sucht. In fast jeder Fraktion gibt es vernünftige Leute, denen ihre Stadt wichtiger ist als machttaktisches Geplänkel. Eine Mehrheit der Fürstenwalder hat mich direkt im ersten Wahlgang gewählt und die Fraktionen müssen sich selbst fragen, ob es klug ist, den gewählten Bürgermeister zu blockieren und damit den Willen der Wähler zu ignorieren. Ich jedenfalls reiche ausdrücklich allen Fraktion die Hand und möchte sie davon überzeugen, dass Fürstenwalde mehr kann und frischen Wind braucht.

FW: Viele Wähler erwarten jetzt natürlich auch, dass Sie sich Entscheidungsfindungen aus der Hengstzeit ansehen und die Akten auf zweifelhaftes Verhalten prüfen.
Matthias Rudolph: Es geht natürlich auch um Aufarbeitung. Ohne Aufarbeitung der Vergangenheit können wir keine guten Entscheidungen für die Zukunft treffen. Wir müssen aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und sie nicht wiederholen. Noch heute werden dieselben Fehler immer wieder gemacht.

FW: Wie wollen Sie das ändern?
Matthias Rudolph: Was in Fürstenwalde in der Vergangenheit oft passiert ist, war doch folgendes: Herr Hengst hat im Alleingang etwas gemacht und hinterher gab es eine Beschlussvorlage, mit der das legitimiert wurde. Dann hieß es hinterher, der Bürgermeister hätte ja nur ausgeführt, was die Stadtverordneten beschlossen hätten. Und umgekehrt hatten die Stadtverordneten nur beschlossen, was der BM empfohlen hatte. So war am Ende nie jemand schuld.
Das werde ich komplett anders machen: In Zukunft werden die Stadtverordneten abwägende Beschlüsse treffen können. Ich werden Chancen und Risiken eines Beschlusses aufzeigen. Und am Ende kann ein ehrlicher Beschluss getroffen werden. Alle wissen Bescheid, nichts wird verschleiert und erst recht nicht nachträglich legitimiert.


Das Gespräch führte
Michael Hauke