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Berühmt? Besonders? Briefmarke

Von der „Blauen Mauritius“ hat bestimmt jeder Leser zumindest einmal in seinem Leben gehört oder gelesen. Dieses berühmte Exemplar Briefmarke einer kleinen Insel ist zwar nicht mehr die teuerste Marke der Welt, aber wohl wirklich die bekannteste der kleinen gezackten Schönheiten. Entstanden ist die Seltenheit durch einen Fehler von Postbeamten, sowie vom Stecher und Drucker. Sie haben die Inschrift verwechselt und statt „Paid“ für bezahlt den Begriff „Office“ für die Poststube vor Ort eingraviert. Vor wenigen Jahren konnten Interessierte 19 der bekannten 27 Exemplare der roten und blauen Mauritius im Museum für Kommunikation in Berlin bestaunen. Dieses „Treffen der Königinnen“ war sicher die einmalige Gelegenheit dieser Art für lange Zeit.
Auch heute beruht der besondere Wert bestimmter Briefmarken auf Fehlern in der Gestaltung oder beim Druck. Manchmal sind es falsche Worte, wie in der Übersetzung der vorletzten Weihnachtsmarken. Teils sind es fehlende Mischfarben oder kleine Verunreinigungen der Druckplatte, die nur an wenigen Stellen in den Bogen vorkommen.
Ein anderes Problem gab es mit der „Hepburn“-Marke von 2001. Hier erhoben die Erben als Inhaber der Bildrechte Einspruch, denn die Schauspielerin Audrey Hepburn sollte nicht mit einer Zigarette auf dem Bild zu sehen sein. Da jedoch die ersten Druckbogen fertig waren und nicht alle falschen vernichtet wurden findet man nun wenige Exemplare bei Auktionen. Dort werden sehr große Summen für diese Seltenheit bezahlt.
Für den „normalen“ Sammler und Liebhaber der kleinen Kunstwerke zählen zum Glück andere Werte. Es ist die Freude an dem Hobby, die Beschäftigung mit dem was die Marken zeigen und dem Zusammentragen dieser für eine Ländersammlung oder zu einem Thema.
Wenn Sie trotzdem etwas Besonderes möchten, dann können Sie in unser Nachbarland Österreich schauen. Seit mehreren Jahren wird einmal eine Briefmarke mit speziellem Material ausgegeben. Das sind meist Dinge, die wohl zu schade für einen echten Brief sind. In den modernen Sortiermaschinen würden diese kleinen Schönheiten arg ramponiert auf den Weg gehen. Schon einer dieser Wellenstempel täte sein unheilvolles Werk. Es passt auch besser eine kleine Schmuckschatulle zur Aufbewahrung. Die eingefügten Bilder zeigen einige dieser Marke der letzten Jahre.
Die rote Rose ziert eine Kreation aus Porzellan. Unter Glas befindet sich das christliche Bild gleich einer Ikone. Lustig anzusehen ist die Lederhose mit dem Edelweiß. In den österreichischen Farben strahlt das Dirndl in Silhouetten-Stickerei. Aus Holz gefertigt ist der Eichenbaum. Und „heuer“, in 2018, gab es gerade den Steirer-Hut. Diese Ausgabe wurde mit 6.600 Nadeleinstichen und 33 Metern Stickfaden aus Merino-Schafwollgarn erstellt.
Mit solchen besonderen Dingen macht unser Hobby des Sammelns von Briefmarken gleich noch mehr Spaß. Interessant ist es allemal und lehrreich ist es zugleich. Testen Sie doch einmal, ob Sie mit den Bezeichnungen „Cantharellus cibarius“ und „Imleria badia“ etwas anfangen können. Nein? Dann sammeln sie doch einfach „echte Pfifferlinge“ und „Maronen“. Zur Vorlage können sie sich die im August erschienen Jugendmarken kaufen. Mit dem Zuschlag tun sie gleich noch einen guten Zweck.
Und wenn sie mehr wissen wollen, dann schauen sie am 21. Oktober 2018 zwischen 10 und 14 Uhr im Haus der Fanfarengarde in Frankfurt (Oder) beim Briefmarken-Tauschtag vorbei.

Erhard Rothbauer