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Knaupps Kolumnen

Aktuelles aus der Region

Sexismus in der Werbung?

Gleichtstellungsbeauftragte der Stadt zeigt die „FW“ beim Deutschen Werberat an

In der vergangenen Ausgabe der „FW“ veröffentlichten wir Sonderseiten in der Kfz-Rubrik, bei denen es um die Pflege des Autos im Frühling ging. Als Blickfang nahmen wir zwei Fotos von Modellautos mit Puppen. Diese Puppen waren in Badebekleidung zu sehen.
Daraufhin bekamen wir einen Brief der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Fürstenwalde, Anne-Gret Trilling, die uns aufforderte, es zu unterlassen, solche Bilder zu drucken, weil wir den Eindruck erweckten, „als ob der Pornodreh schon in vollem Gange ist“, wie Frau Trilling wörtlich schreibt.
Ist das jetzt wirklich Sexismus, geht der Pornofilm wirklich gleich los?
Frau Trilling hat unsere Zeitung bei der feministischen Seite pinkstinks.de gemeldet. Dort kann man sich als „Werbemelder*in“ (Originalschreibweise) betätigen und Sexismus in der Werbung anzeigen. Pinkstinks wird es an den Deutschen Werberat weiterleiten, der uns dann rügen soll.
Die Ironie der Sache ist, dass die Seiten mit den vermeintlich sexistischen Bildern von Spielzeugauto mit Puppe von einer unserer Mediengestalterinnen, also einer Frau, erstellt wurden. Sie antwortet Frau Trilling in dieser Ausgabe persönlich. Wir haben beides, den Brief der Gleichstellungsbeauftragten und den unserer Mitarbeiterin auf Seite 2 dokumentiert.
Wir möchten auch unsere Leser fragen: Was meinen Sie: Handelt es sich bei der Gestaltung des Zeitungsartikels um Sexismus in der Werbung, die zu unterlassen ist? Oder sollte man einfach mal die Kirche im Dorf lassen?
Mails an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Briefe an: Michael Hauke Verlag, Eisenbahnstr. 123, 15517 Fürstenwalde.                   

Michael Hauke

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Liebe Leserinnen und Leser der FW, lieber Herr Hauke,

in der gestrigen FW fällt mein Blick auf den Seiten Auto & Mobiles auf einen schnittigen roten Ford Mustang und auf zwei leicht bekleidete Barbie-Püppchen - wahlweise von hinten mit Blick auf Arschbacke oder auf der Kühlerhaube im weißen Bikini hockend, so als ob der Pornodreh schon in vollem Gange ist.
Unter der Überschrift „Achtung Fahrzeugführer“ wird man darauf hingewiesen, dass jetzt im Frühling ein Check angezeigt wäre, eine Autowäsche ratsam ist oder der Reifendruck zu prüfen sei. KFZ-Meisterbetriebe werben drum herum mit Anzeigen um Kunden.
Doch warum zum Teufel müssen sich die Barbie-Püppchen an oder auf dem Auto räkeln? So was nenne ich als Gleichstellungsbeauftragte „Sexismus in der Werbung“. Es wirkt nicht nur altbacken und entspricht aus meiner Sicht keineswegs dem Stil der heutigen Werbung. Sondern es degradiert Frauen zum Sexobjekt. Mal ehrlich: Klettern Sie im weißen Bikini zum Frühjahrsputz auf die Kühlerhaube? Ganz offensichtlich vertrauen die Anzeigengestalter nicht auf das wunderbare Kultauto, das ganz sicher auch allein bewundernde Blicke auf sich gezogen hätte. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die zahlreichen Autofahrerinnen, die ja auch Kundinnen eben dieser Firmen sind, sich davon besonders angesprochen fühlen. Im Gegenteil.
Ich denke, dass diese Art der Werbung aus Gründen der Wertschätzung für Frauen, des guten Geschmacks und der Professionalität im Bereich Marketing längst der Vergangenheit angehört. Als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt fordere ich Sie auf, diese Art der Werbung zu unterlassen – im Interesse Ihrer Anzeigenkundinnen und –kunden und mit Rücksicht auf die Leserinnen und Leser.
Damit meine Forderung nicht ungehört verhallt, melde ich diese Anzeige über Pinkstinks dem Deutschen Werberat, der regelmäßig Rügen ausspricht.

Mit freundlichen Grüßen
Anne-Gret Trilling
Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Fürstenwalde

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Ich bin doch auch eine Frau!

Liebe Frau Trilling,
vielen Dank für Ihre prompte Reaktion auf unsere Sonderseiten zum Thema „Autopflege im Frühling“ in der FW vom 25. April 2018.
Da ich diejenige war, die sich inhaltlich und gestalterisch um die Belegung der Seiten gekümmert hat, möchte ich mich auch selbst kurz zu Wort melden. Um die Sonderseiten aufzulockern, habe ich nach einem schönen Bild unter dem Stichwort „Autowäsche“ gesucht. In der Bilddatenbank hatte ich dann die Auswahl zwischen diversen Automodellen und Momentaufnahmen. Ein reines Autobild kam nicht in Frage, da ich weder Marken noch Händler bevorzugen wollte. Daher fand ich eine plastische Darstellung der Szene ganz witzig und am unverfänglichsten. Ich habe mich mit Absicht für eine leicht bekleidete Puppe entschieden. Natürlich spiele ich in dieser Situation absichtlich mit dem Vorurteil, dass die Vorliebe für schöne Frauen und schnelle Autos eher dem männlichen Geschlecht zugeordnet wird. Leicht bekleidete Männer vor Autos gab es außerdem nicht.
Sie müssen wissen, dass ich mit der Verwendung der Bilder niemanden verletzen wollte. Ich werde mich aber auch nicht entschuldigen, da ich grundsätzlich nichts Falsches getan habe. Meiner Meinung nach ist es wichtig, sich nicht immer allzu ernst zu nehmen, auch mal über sich selbst zu lachen. Hinzu kommt, dass die meisten Frauen meiner Meinung nach sehr gerne Frauen sind und dieses auch mit all seinen Facetten ausleben.
Ich persönlich finde es absolut übertrieben, dass inzwischen alles auf die Goldwaage gelegt wird und man nichts mehr mit einer gehörigen Portion Humor sehen darf. An dieser Stelle bedanke ich mich bei meinem Arbeitgeber Michael Hauke für all die Freiheiten, die er mir jeden Tag einräumt und der mich stets sein lässt wie ich bin.

Melanie Wittgen