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Knaupps Kolumnen

Eine Bürgerinitiative, deren Initiatoren und Gründungsmitglieder einst gegen CCS mit der Fragestellung auf den Plan traten: „Warum eigentlich CCS, also die unterirdische Speicherung von CO2 unter meinem Häuschen, gibt es denn dafür keine anderen,“ kehrten ganz offensichtlich mit ihrem Auflösungsbegehren an ihre Ursprünge zurück.
Zwischenzeitlich hat sich aber dann doch die BI zu einer, wie ich meine, „schlagkräftigen Truppe“ entwickelt, die sehr schnell das umweltpolitische Problem der Braunkohleverstromung erkannte und daraus auch zutreffende Schlussfolgerungen für Umwelt und Klima ziehen konnte. Übrigens war die Kreisstadt Beeskow seinerzeit nicht zu erreichen, ohne an dutzenden gelber Kreuzen und vielen Hinweisschildern, die über die Gefahren von CCS aufmerksam machten, vorbeizufahren. So etwas beeindruckte bis in den Bundestag hinein.
Der auch anwesende Mitarbeiter des BUND, Axel Kruschat als Ehrenmitglied der BI sprach davon, dass die bloßen Argumente gegen CCS gar nichts in der Politik bewirkten. Woher er diese Weisheit schöpfte, sagte er nicht. Der Bevölkerungswille hingegen, der stetig in gut besuchten Aktionen und Veranstaltungen der BI überwiegend in Beeskow wahrgenommen werden konnte, bewirkte in der Politik schon etwas. Zu ihnen zählte wohl auch der unvergessene Sternmarsch auf Beeskow oder deren größte Kaffeetafel auf dem Kirchplatz, oder der flammende Protest, bei deren Gestaltung unsere Aktivistin Anette Hildebrand eine herausragende Rolle spielte, aber auch Menschen wie Jan Petersen, die nicht Mitglied der BI waren, ebenso Pfarrer Gerd Linden und natürlich die unvergessene und leider von uns gegangene Sylvia Wadewitz.
Ulf Stumpe von der Nachbar-BI „CO2 Bombe“ aus Neutrebbin und ich trafen uns seinerzeit im Juni 2012 mit dem Kohlefreund und damaligen Wirtschaftsminister und jetzigen Fraktionsvorsitzenden der Linken Ralf Christoffers anlässlich einer Veranstaltung in einer Solarfabrik in Frankfurt/Oder, wo wir ihm unverholen unsere Meinung über seine „Kohlefreundlichkeit“ einmal mitteilen konnten.
Im weiteren Verlauf zeigte sich dann auch, dass Ralf Christoffers mittlerweile seinen CO2 Verpressungsgedanken aufgegeben hat. Vielleicht ist es nur so, dass gute Argumente auch eine gute Begleitung oder Ergänzung von guten Aktionen sein können. Insofern kann ich dem Hinweis von Axel Kruschat nicht folgen, weil auf allen Veranstaltungen Gespräche mit „Würdenträgern“ der Politik, oder mit wem auch immer, ständig geführt wurden.

Hat sich nach alledem CCS deshalb bereits erledigt? Vor der Abstimmung über die Auflösung unserer BI habe ich es mir jedenfalls nicht nehmen lassen, den von Dr. Christfried Lenz im PV-Magazin veröffentlichten Beitrag über den 10. „Petersberger Klimadialog“ im Mai 2019 vorzulesen, wo die Bundeskanzlerin ganz aktuell CCS als Lösung von Klimafragen wieder ins Spiel brachte.
Trotz dieser aktuellen Sachlage, dass CCS-Befürworter sich entsprechend ihrer Interessenlagen immer wieder in Szene setzen, stimmten alle anwesenden BI-Mitglieder für die Auflösung, außer ich natürlich, weil Umweltschutz und die Vermeidung der bevorstehenden Klimakatastrophe auch eine persönliche Haltungsfrage ist, die ich mir zukünftig gerne noch bewahren möchte.

Peter Müller-Maas