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Knaupps Kolumnen

von Michael Hauke

Vor zweieinhalb Wochen fanden in ganz Deutschland die Demonstrationen der „Black Lives matter“-Bewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt statt. Hunderttausende waren in ganz Deutschland auf den Beinen, rund 15.000 davon kamen auf dem Berliner Alexanderplatz zusammen, viele von ihnen ohne Maske. Vom Mindestabstand war nichts zu sehen. Sie riefen Parolen und tanzten eng aneinander. Deutschlands Chefvirologe Professor Christian Drosten, das RKI und natürlich die Bundesregierung warnen unaufhörlich vor genau diesen Szenarien: ohne Masken, ohne Mindestabstand könne das Virus nicht eingedämmt werden. Demzufolge hätte es zwei Wochen später, also am vergangenen Wochenende, zu einem massenhaften Anstieg der Neuinfektionen kommen müssen, der in die Zehntausende hätte gehen müssen. Stattdessen rauscht die Zahl der Infizierten kontinuierlich abwärts, sie hat sich bei rund 5.000 in ganz Deutschland eingependelt. Die Theorie von den Massenansteckungen, wenn die Maskenpflicht und der Mindestabstand nicht eingehalten werden, hat dem Praxistest nicht standgehalten. Das war schon vorher zu beobachten, als der befürchtete Effekt der Massenansteckungen bei den Spaziergängen für das Grundgesetz ausblieb, zu dem weitgehend unbeachtet Sonnabend für Sonnabend Hunderttausende in ganz Deutschland gehen. Diese widerlegte Prognose reiht sich in einige andere ein, mit der die Maßnahmen zur „Eindämmung der Pandemie“ begründet werden. Professor Drosten legte im März eine Studie vor, nach der Kinder hochgradig ansteckend seien. Daraufhin wurde der Kontakt zwischen Enkeln und Großeltern verboten, alle Schulen und Kindergärten geschlossen. Obwohl diese Studie längst doppelt widerlegt ist, gibt es immer noch keinen Regelbetrieb in den Schulen. Die Wahrheit ist: Kinder bekommen das Virus sehr selten und wenn doch, sind sie obendrein weniger infektiös als Erwachsene. Nach Angaben von Drosten aus dem März werden Woche für Woche 500.000 Corona-Tests in Deutschland durchgeführt, also mehr als zwei Millionen pro Monat. Und obwohl diese Tests fast ausschließlich im Verdachtsfall gezogen werden, steigen die Zahlen einfach nicht. Der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, hatte am 1. April zehn Millionen Infizierte bis Ende Juni in Deutschland prophezeit. Professor Drosten setzte mit der Zahl von zu erwartenden 570.000 Toten noch einen drauf. Er erklärte uns auch, dass das besonders Fiese am Corona-Virus sei, dass die allermeisten Infizierten gar nicht krank werden. Rund 85 % der positiv getesteten Personen hätten gar keine Symptome, bei den restlichen 15 % hätten viele einen sogenannten milden Verlauf und müssten nicht stationär behandelt werden. Bis heute wird in der Statistik der Infizierten, von denen es bundesweit nicht mal 190.000 gab, nicht differenziert zwischen infiziert und krank, was aber ein Riesenunterschied ist. Denn entgegen der Theorie, dass Infizierte mit und ohne Symptomen für die Mitmenschen gleich „gefährlich“ seien, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO vor etwas mehr als einer Woche eingeräumt, dass „asymptomatisch (ohne Symptome) Infizierte“, also die große Mehrheit unter den wenigen Infizierten, nur „selten“ ansteckend seien. Die wichtigsten Theorien, auf denen alle Eindämmungs-Maßnahmen beruhen, wurden inzwischen medizinisch, durch Studien oder durch die Praxis widerlegt. Am 10. Juni hat Professor Drosten sogar eingeräumt, dass sich Corona zu einem ganz normalen Schnupfen entwickeln könnte. Wir wisscn alle, dass diese Prognose, die ein klassisches Zurückrudern darstellt, von jemand anderes öffentlich vertreten – sofort als „Verschwörungstheorie“ abgetan worden wäre. Inzwischen scheint es für die Politik nur noch um Rechthaben und Rechtbehalten zu gehen. Obwohl die von der Regierung, dem Robert-Koch-Institut und Professor Drosten prophezeihte Welle von über zehn Millionen Infizierten und hunderttausenden Toten nie eingetreten ist, hängt die Panik vor der angeblich zweiten Welle wie ein Damoklesschwert über uns. Einer Gehirnwäsche ähnlich wird den Menschen unaufhörlich durch die Massenmedien, mit Durchsagen auf den Bahnhöfen und in den Zügen, durch Werbeplakate und dauernde Politikerwarnungen Angst gemacht. Kein Wunder, dass bei jeder Lockerung der Eindämmungsverordnungen die Mehrheit der Deutschen skeptisch ist, ob das wirklich gut gehen könne. Und so möchten viele die Maske und den Mindestabstand beibehalten. Dabei weiß fast jeder Einzelne für sich selbst ganz genau, dass die MundNasen-Bedeckung nicht nach jedem Tragen bei 70 Grad gewaschen wird. Man steckt sie in die Hemd- oder Hosentasche und holt sie pflichbewusst beim nächsten Einkauf wieder raus, hängt sie an den Autospiegel oder klemmt sie unter das Kinn. Damit ist der medizinische Sinn komplett konterkariert und die Maske völlig nutzlos. Aber wir tragen sie halt, weil es bei einer richtigen Pandemie dazugehört. Ist ja auch nicht so schlimm. Wirklich nicht? Die Maskenpflicht und der Mindestabstand sind die entscheidenden Punkte dafür, dass der Einzelhandel und die Gastronmie nicht mehr auf die Füße kommen. Wenn nicht mehr als eine Person pro zwanzig Quadratmeter in den Laden darf und zusätzlich eine Maske zu tragen ist, geht das eigentliche Shoppingerlebnis verloren. Aber genau davon leben die vielen kleinen Händler, nicht davon, dass man nur das Nötigiste kauft. Die Bundestagsabgeordneten, der Bundespräsident, Ministerpräsidenten und nicht zuletzt der Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) beim Wiedersehen mit seinem Slubicer Amtskollegen haben schon lange ihre eigenen Regeln (siehe Ausgabe 11/20: „Wie die Abgeordneten mit Corona leben“). Sie wissen, warum. Und der Bürger weiß es spätestens seit den folgenlosen Großdemonstrationen vor zweieinhalb Wochen auch.