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Knaupps Kolumnen

4000 oder 5000 Euro? Wieviel Geld überweist Ihnen Ihr Arbeitgeber am Monatsende? Wie jetzt? Nicht soviel? Dann bewerben Sie sich doch bei der Fürstenwalder Stadtverwaltung. Teilt man die Personalkosten (19 Millionen Euro) durch die Zahl der planmäßig Beschäftigten (rund 320) dann kommt man auf diesen Durchschnittsverdienst. Allerdings erhalten zwei Drittel der Belegschaft, wie Hausmeister, Mitarbeiter, die die städtischen Rabatten pflegen, die im Ordnungsamt der Stadt Beschäftigten u.v.a.m höchstwahrscheinlich weitaus weniger Geld. Das bedeutet, dass andere viel mehr bekommen. Einige dieser vielleicht 30 Vielverdiener von insgesamt 320 Beschäftigten machen Revolte. Wollen sie vielleicht mehr Kohle, weniger Arbeit oder ein größeres Büro? Von dieser Unzufriedenheit können Fürstenwalder jeden Tag in der Zeitung lesen und in öffentlichen Veranstaltungen regelrechte Verleumdungskampagnen erleben. „Eiszeit in der Stadtverwaltung“, „In der Stadtverwaltung brennt es“, „Wie arrogant der Bürgermeister ist!“ so heißt es dann und man grübelt: Was ist da denn bloß los? Die Antwort ist einfach.

Die klare Mehrheit der Fürstenwalder hat vor gut zwei Jahren Matthias Rudolph zum Bürgermeister gewählt – ganz bewusst und aus gutem Grund: Erinnern Sie sich noch, warum Sie ihm Ihre Stimme gaben? Er versprach, aufzuräumen in der Verwaltung, für Bürgerfreundlichkeit zu sorgen, für Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit in der Stadt. Unternehmerfreundlicher sollte die Stadt werden, moderner, zeitgemäßer. Wie zufrieden sind Sie denn mit der Leistung der Verwaltung für ihre Bürger? Sofort nach Amtsantritt begann Herr Rudolph damit, sein „Mandat der Veränderung““ in der Praxis umzusetzen. Schnell stellte sich heraus, dass ausgerechnet die Personen mit Leitungsfunktionen, die Verantwortung tragen sollten und dafür gutes Geld verdienen, dass ausgerechnet die schwer umdenken können: nämlich dass die Stadtverwaltung für die Bürger da ist und nicht umgekehrt. Genau so war es in der Vergangenheit und stellenweise bis heute.

Verantwortliche stellen sich quer, wollen die alte Bequemlichkeit zurück bzw. weiterhin behalten. Aber: wo gehobelt wird, fallen Späne. Wo der Wind der Veränderung weht, da gibt es immer Unzufriedene. Ist es nicht das Recht, nein die Pflicht eines Bürgermeisters, seinen leitenden Mitarbeitern Forderungen zu stellen? Sie können ja sagen, dass sie es nicht können oder nicht schaffen. Aber die Forderung annehmen, den Verdienst einstecken und einfach nichts oder nur halb und vieles davon falsch machen – über einen langen Zeitraum und immer wieder. Das kann kein Arbeitgeber hinnehmen. Ich habe viele Jahre im Reifenwerk gearbeitet. Ich stelle mir gerade das Gesicht unseres Generaldirektors vor, wenn Abteilungsleiter oder die Pressesprecherin sich beklagt hätten, dass sie in seine Entscheidungen nicht einbezogen wurden oder dass sie übertragene Aufgaben einfach nicht erfüllten.

Und weiter: wenn diese Reifenwerker dann noch in der Lokalzeitung geschrieben hätten, dass ihr Chef sie mobbe, denn er verlange was von ihnen.... Die Revolte der Vielverdiener ist der blanke Hohn gegenüber allen Menschen dieser Stadt, die für ihr Geld wirklich hart arbeiten müssen. Der Fachgruppenleiter, der verantwortlich dafür ist, dass die Bauarbeiten am Jagdschloss, an der Fontane-Schule und der Goßmann-Schule alle geplanten Summen übersteigen und Zeitpläne überschritten werden, hat jetzt gekündigt. Soll seine Kündigung als größtmöglicher Knall jetzt davon ablenken? Die Leiterin der Rechtsstelle verlässt die Verwaltung, weil Sie sich in der neuen Verwaltungsstruktur nicht so wiederfand wie sie es gern gehabt hätte. So wird es jedenfalls gemunkelt. In den Stadtverordnetensitzungen zeigen sich alle Fraktionen stets solidarisch mit dem vom Bürgermeister angeblich „gemobbten“ Personalrat. Es wird bei jeder Gelegenheit betont, dass der Personalrat doch ehrenamtlich arbeite, was nicht hoch genug geschätzt werden könne. Gucken wir mal genau hin: Bei einem Unternehmen wie der Stadtverwaltung mit über 300 Beschäftigten, sind neun Personen im Personalrat erforderlich. Eine Person arbeitet hauptamtlich im Personalrat. Das gesamte Gremium trifft sich so oft man es für notwendig erachtet und berät, solange es eben dauert. Sie beraten während der Arbeitszeit, die aber gemäß Personalvertretungsgesetz normal bezahlt wird. Andere Kollegen übernehmen die Arbeit, die dadurch liegenbleibt. Nacharbeiten müssen sie nichts. Mit „ehrenamtlich“ nach der Arbeit, nebenbei, so wie das normale Menschen verstehen würden, hat das nichts zu tun. Klingt aber gut. Hoffentlich wird die regelmäßige Bürgermeistersprechstunde am Dienstag bald wieder durchgeführt. Es wird Zeit, dass sich die Einwohnerinnen und Einwohner ihre Informationen wieder direkt von ihrem gewählten Bürgermeister holen können. Er kümmert sich und ist nach Kräften bemüht Veränderungen für uns durchzusetzen. Wir sollten ihn alle unterstützen, damit er dabei nicht nur gegen Wände rennt.

Sybille Gurack