Zeitung lesen
Knaupps Kolumnen

Von Michael Hauke
Der Erkneraner Stadtverordnete Erik Nickel (CDU) machte in unserer Ausgabe vom 27.11.2019 in einem Leserbrief öffentlich, dass Die Linke in der Erkneraner Stadtverordnetenversammlung beantragt hat, das Amtsblatt der Stadt Erkner nicht weiter in der vom Hauke-Verlag herausgegebenen Zeitung „Kümmels Anzeiger“ erscheinen zu lassen. Die Begründung lautet: „Das Anzeigenblatt hat sich sich in den letzten zwei Jahren in eine Richtung entwickelt, die von einer seriösen Berichterstattung abweicht.“ Silke Voges von den Linken, die beinahe Bürgermeisterin von Erkner geworden wäre, führte aus, dass meine Beiträge die Gesellschaft spalteten. Mündlich schob die Linke nach, dass das Blatt nicht für Weltoffenheit und Toleranz stünde
Natürlich kommen diese Vorwürfe nicht gänzlich überraschend. Die Frage war bloß, wann sie kommen würden. Schließlich sind die Mechanismen in unserem Land inzwischen vorhersehbar. So erwartet die Vorwürfe gegen den Hauke-Verlag kamen, so sehr stellen sie die Wahrheit auf den Kopf. Denn Weltoffenheit und insbesondere Toleranz spielen in unseren Veröffentlichungen eine ganz große Rolle. Die Linke selbst kann nämlich jederzeit  und kostenlos in unseren Zeitungen ihre Mitteilungen veröffentlichen. Und sie nutzt diese Möglichkeit auch sehr gern und intensiv. Auch in unserem Leserforum veröffentlichen wir die Meinungen der Leser ungekürzt und unzensiert, ganz egal ob sie der Meinung der Redaktion oder mir persönlich gefallen. Das darf auch in keinem Falle der Maßstab sein! Die gescheiterte linke Direktkandidatin Franziska Schneider, die jetzt in Erkner Front gegen unser Verlagshaus und mich persönlich macht, hat das auch selbst erfahren. Sie konnte ihre Meinung in ihrem Leserbrief unzensiert, ungekürzt und unkommeniert veröffentlichen. Sie sparte dabei nicht mit Kritik an unserer Zeitung und an mir persönlich.
Genauso dürfen aber auch alle anderen Bürger bei uns ihre Meinung sagen. Es spielt dabei keine Rolle, ob mir das gefällt. Es darf aber auch keine Rolle spielen, ob das den Linken oder Franziska Schneider gefällt. In der Tat sind Pro und Kontra zu den die Menschen bewegenden Themen bei uns genauso abgebildet wie sie bei uns eingehen. Schon der RBB empfand das als nicht praktikabel und fragte mich im Interview, ob es nicht besser wäre, in dieser Beziehung regulierend einzugreifen. So mag es beim Rundfunk Berlin-Brandenburg gehandhabt werden – bei uns nicht!
Das sind die Spielregeln der Demokratie, die Regeln der grundgesetzlich geschützen Meinungs- und Pressefreiheit. Und dafür, dass diese Freiheiten so gelebt werden können, tragen wir als Verlag eben eine nicht zu unterschätzende Verantwortung. Unter unserem Impressum drucken wir schon seit einigen Jahren in jeder Ausgabe den Wortlaut des Artikels 5 Grundgesetz ab, der die Pressefreiheit regelt. Letzter Satz: „Eine Zensur findet nicht statt.“ Entschuldigung, aber wir nehmen das wörtlich.
In unserem Leserforum wird diskutiert und eben nicht oktruiert. Wir haben noch nie einen Leserbrief aus politischen Gründen unterschlagen. Wir veröffentlichen die Mitteilungen aller Parteien, aber auch die Briefe der Bürger. Vieles entspricht davon dem Mainstream, einiges widerspricht ihm aber auch. Diese von uns tatsächlich gelebte Toleranz ist das Grundproblem, das uns zum Verhängnis werden soll. Würden wir nur die eine Seite, die man überall lesen kann, veröffentlichen, hätten wir keine Probleme. Dass die andere Seite auch Platz findet, ist der Skandal.
Immer mehr dieser Stimmen verschwinden aus genau diesem Grunde. Dass sich praktisch kein Prominenter kritisch zu bestmmten politischen Fragen äußert, heißt bestimmt nicht, dass keiner der Prominenten so denkt. Dass sich viele Menschen genau überlegen, was sie in den sozialen Netzwerken veröffentlichen, liken oder teilen, was sie auf Arbeit sagen, hat denselben Hintergrund. Man möchte keine Schwierigkeiten, man möchte sich nicht erklären müssen. Man möchte die Konsequenzen für die geäußerte Meinung nicht tragen müssen.
Dass an dem Kabarettisten Uwe Steimle ein weiteres Exempel statuiert wurde und diese Stimme im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nun zum Schweigen gebracht wurde, ist tatsächlich charekterisch für diese Entwicklung und zugleich eine weitere Warnung für andere. Dabei darf es doch in unserer freiheitlichen Gesellschaft nie darum gehen, ob Meinungen gefällig oder politisch korrekt sind. Leider ist das Gegenteil der Fall. Stellt man zum Klimawandel kritische Fragen, ist man ein Klimaleugner. Nennt man die Nationalität oder fragt bei Straftaten auch nur danach, ist man ein Hetzer. Nach der Wahrheit zu fragen, seine Meinung zu äußern, ist nicht immer einfach. Daher mein Respekt vor den Menschen, die ihre Meinung auf unseren Leserbriefseiten äußern, ganz egal, welche Meinung sie vertreten.
Der Vorwurf, man spalte die Gesellschaft, der immer wieder erhoben wird, jetzt auch gegen den Hauke-Verlag und meine Person, ist verräterisch. Er impliziert nämlich, dass es nur eine Meinung geben darf. Gibt es eine zweite, ist es eine Spaltung. In einer wirklichen Demokratie ist das Volk („die Gesellschaft“) immer gespalten, denn es muss sich zwischen unterschiedlichen Positionen entscheiden. Insofern nehme ich den Vorwurf, die Gesellschaft zu spalten, gar nicht tragisch. Sind alle einer Meinung, stimmt doch etwas nicht. Die Demokratie braucht unterschiedliche Meinungen, und sie müssen auch veröffentlicht werden dürfen. Eine Zensur findet nicht statt.