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Knaupps Kolumnen

In der vergangenen Woche rief der RBB im Hauke-Verlag an und bat um ein Telefoninterview mit mir. Aus Anlass der zu dem Zeitpunkt noch bevorstehenden Landtagswahlen wolle man für Radio eins wissen, wie wir als Anzeigenblattverlag mit den Wahlen umgingen. Insbesondere erregte das Leserforum Aufmerksamkeit, in dem „ja allerhand los sei“, wie sich die Reporterin Amelie Ernst im Vorgespräch ausdrückte.
Das Gespräch war dann weniger ein „Wissenwollen“ als mehr ein „Zur Rede stellen“.
Wenn sich in einer Ausgabe mehrheitlich kritische Leserbriefe zur Flüchtlingspolitik fänden, ob wir das dann nicht in der nächsten Nummer wieder ausgleichen müssten, damit es ausgewogen zuginge, fragte die RBB-Reporterin. Mit meiner Antwort, dass wir die Lesermeinungen so abdruckten, wie sie eingingen und dass wir ein ehrliches Abbild aller eingehenden Meinungen darstellen, wollte sie sich nicht recht zufrieden geben. Ob denn jeder auf diesen Seiten schreiben könnte, fragte sie nach. „Ja, jeder darf bei uns schreiben!“, lautete meine Antwort. Das sei ja gerade der Erfolg unserer Zeitungen. Wir zensieren die Briefe nicht, wir lassen auch keine weg, damit wir ein bestimmtes Meinungsbild erzeugen. Dass wir auf diesen Seiten auch Leserbriefe von Funktionsträgern der Linken, der Grünen, der SPD und der AfD abgedruckt haben, sei für mich so selbstverständlich wie, dass jeder Leser ungefiltert seine Meinung äußern dürfe.
Was aber, wenn  Lesermeinungen gegen Recht und Ordnung verstießen? Ich sagte ihr, dass wir dieses Problem nicht hätten. Dafür haben aber viele Leser das Problem, dass sie bei anderen Medien oder Meinungsforen entweder gar nicht oder nur zensiert zu Worte kämen, wenn sie eine von der politisch korrekten Linie abweichende Meinung verträten.
Dass in der letzten Ausgabe vor der Wahl neben Anzeigen von Linken und SPD auch eine Anzeige der AfD veröffentlicht wurde, störte sie offensichtlich sehr. Immer wieder ging es ihr um diese eine Anzeige. Das Interview tendierte inzwischen in eine Art Verhör.
Ich machte ihr klar, dass wir die Anzeigen doch nicht politisch gewichteten – und dass das auch gar nicht Aufgabe der freien Presse sei. Inzwischen wurde auch ich etwas leidenschaftlicher und sagte ihr, dass mich genau diese Fragen vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht verwundern. Die Haltung, die dahinter steckt, ist genau der Grund sei, warum so viele Menschen bei uns schreiben.
Das Wichtigste ist mir in der Tat, dass wir als Verlag verantwortungsvoll mit der Meinungsfreiheit umgehen. Ich bin für eine lebendige Demokratie, in der es unterschiedliche Ansichten gibt – die auch öffentlich dargestellt werden können. Offensichtlich ist man das gar nicht mehr gewohnt,  und deswegen fallen unsere Zeitungen in dieser Beziehung negativ auf. Oder aber positiv. Als Außenstehender kann man sich gar nicht vorstellen, wie viele Leser sich dafür persönlich bedanken.
In dem kritischen Radio-Beitrag über den Hauke-Verlag wurden dann Zitate von mir eingebettet. Obwohl die Praxis unseres Verlages ist, jeder Meinung eine Stimme zu geben, ist der Beitrag auf der Radio-eins-Seite abrufbar unter dem Titel: „Meinungsmache beim Anzeigenblatt?“       

Michael Hauke