Zeitung lesen
Knaupps Kolumnen

Kern der Kritik des Artikels ist die angeblich fehlende Bürgerbeteiligung bei der Abrissentscheidung des Objektes, das ehemals als Discowürfel genutzt wurde. Es wird behauptet, dass mit dem Abriss das Objekt unwiederbringlich verloren ist. Das ist richtig und Absicht. Der Würfel sollte schon aufgrund seines Aussehens abgerissen werden. Falsch ist jedoch zu behaupten, dass erst mit dem Abriss eine Situation geschaffen wurde, die dort keinen Neubau mehr ermöglicht. Der Bestandsschutz ist bereits durch den jahrelangen Leerstand entfallen. Baurechtlich gab es nur die Alternative, den „Würfel“ entweder in diesem Zustand ungenutzt stehen zu lassen oder aber tatsächlich die Ruine abzureißen. Bereits im Jahr 2008 hat das Bezirksamt ein von einem externen Büro erarbeitetes Nutzungs- und Gestaltungskonzept für das Strandbad Müggelsee beschlossen. In dem Konzept zur Entwicklung des Gesamtareals, an dem alle genehmigenden Behörden beteiligt gewesen sind – insbesondere die Denkmalschutzbehörde – ist der Abbruch der ehemaligen Großgaststätte explizit benannt und vorgesehen. Die denkmalpflegerische Stellungnahme vom 31.08.2016 der zuständigen Denkmalschutzbehörde kommt genau zu dem gleichen Ergebnis wie die Akteure aus den Jahren davor: Das ehemalige Gastronomiegebäude ist nicht erhaltenswert und sollte im Sinne des Denkmals zurückgebaut werden. Der Vorsitzende des Bezirksdenkmalrats Treptow-Köpenick, ein ehrenamtliches Beratergremium mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Bürgerschaft, hat mich mehrfach zum Abriss des „Würfels“ aufgefordert. In der Tat habe ich 2016 gegenüber Bürgerinnen und Bürgern erklärt, das Schadstoffgutachten zum Gebäude abzuwarten und ggf. neu entscheiden zu wollen. Allerdings war das Schadstoffgutachten so negativ, dass es weitere Argumente für einen Abriss lieferte und nicht gegen einen Abriss.
Falsch ist die Behauptung, seit April gäbe es einen Investor, der den Würfel sanieren und einer Nutzung zuführen wollte. Ein potenzieller Investor hat sich nicht gemeldet. Eine von Dritten genannte Person hat sich auf eine Anfrage des Bezirksamtes noch nicht einmal zurückgemeldet. Bedauerlicherweise wurden die Mitglieder des Petitionsausschusses bei einem Ortstermin der Abgeordneten von Bürgern getäuscht, da diese den Abgeordneten bildhafte Darstellungen zur Nutzung des Strandbades vorlegten, die von einem potenziellen Investor stammten, der bereits 2012 schriftlich erklärte, von dem Vorhaben Abstand zu nehmen.
Falsch ist auch die Behauptung einer mangelnden Bürgerbeteiligung. So gab es mehrere öffentliche Veranstaltungen, darunter eine Ortsteilkonferenz in Rahnsdorf sowie die Vorstellung der Studie zu Nutzungsmöglichkeiten des Strandbades im Februar 2016. In letzterer wurde den Bürgerinnen und Bürgern die Abrissempfehlung für den „Würfel“ dargelegt. Bürgerbeteiligung kann jedoch nicht geltendes Recht aushebeln.
Wir sollten uns eigentlich über die Entwicklungsmöglichkeiten beim Strandbad Müggelsee freuen und dankbar über die Fördermittel sein. Es ist der Wille des Bezirksamtes und des Landes sowie der Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger, dass diese Badestelle weiterhin kostenlos zugänglich sein wird. Die logische Konsequenz ist, dass daraus Einnahmen, im Gegensatz zu den Liegenschaften der Bäderbetriebe, für die Betreibung und Sauberhaltung des Areals nicht generiert werden können. Aber genau deshalb, weil der Fokus und der kommunalpolitische Ansatz auf das Gemeinwohl und nicht auf kommerzielle Interessen gerichtet sind, wurde die Förderung in den Bundeshaushalt der Bundeskanzlerin aufgenommen.
Erst mit der denkmalgerechten Sanierung wird eine ganzjährige Nutzung des Ensembles möglich, die bisher durch eine fehlende Heizung nicht gegeben war. Flächen des Strandbades konnten deshalb große Teile des Jahres nicht verpachtet werden. Dies ist künftig grundsätzlich möglich. Bisherige Pächter haben sich bereits an mich gewandt und ihr Interesse signalisiert, ganzjährig pachten zu wollen. Die genauen Bedingungen sind hierfür heute noch nicht zu nennen. Ein entsprechendes Interessenbekundungsverfahren bleibt abzuwarten. Genau das eröffnet neue Möglichkeiten für das Strandbad.
Oliver Igel, Bezirksbürgermeister
Berlin Treptow-Köpenick