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Knaupps Kolumnen

Wie es zum Brand kam – und was aus uns geworden ist

Am 8. Januar dieses Jahres ist das Haus meiner Familie komplett niedergebrannt. Inzwischen ist es bis auf den Keller abgerissen. Zweieinhalb Monate danach möchte ich schildern, wie es zu der Katastrophe gekommen ist, wie viel Hilfsbereitschaft wir erfahren haben und was aus uns Fünf geworden ist.
Wir wollten am späten Nachmittag des 8. Januar grillen. Noch bevor es losging, startete ich den Terrassenheizer. Er stand etwa 3,50 Meter vom Haus entfernt neben der Terrassenüberdachung. Dazu öffnete ich das Ventil der Gasflasche und schaltete den Piezozünder am Gerät ein. Hundertmal gemacht, hundertmal ist alles gut gegangen. An diesem Sonntag war es anders. Ich startete das Gerät, aber die Flamme ging nicht in den Heizer, sondern das Feuer trat aus dem Ventil am Kopf der Gasflasche aus. Ich habe sofort versucht, das Ventil wieder zu schließen. Meine Frau rief die Feuerwehr an, kam danach dazu und wollte mit einer Decke die Flammen ausschlagen. Es war zu dem Zeitpunkt ein kleines Feuer am Heizer. Ich nahm den Grillhandschuh und die Decke und drehte in kleinen Drehungen das Ventil wieder zu. Immer nur so viel, wie bei der Hitzeentwicklung möglich war. Als ich dachte, es geschafft zu haben, war der Schlauch, der die Gasflasche mit dem Heizer verbindet, abgebrannt und es schoss aus der Öffnung, an dem der Schlauch steckte, wie aus einem Flammenwerfer unter die Terrassenüberdachung. In dem Augenblick bekam auch ich echte Angst und rief die Feuerwehr noch einmal an. Inzwischen waren fünf Minuten vergangen.Die Feuerwehr Woltersdorf traf geschätzte zwanzig Minuten später ein, zu dem Zeitpunkt brannte die Überdachung und die Fassade darüber. Unser Haus brannte dann etwa fünf Stunden lang vor unseren Augen und denen der Feuerwehr nieder. Wir haben bei dem Brand praktisch alles verloren, was wir hatten. Meine Frau, meine Kinder und ich hatten nur noch das, was wir am Körper trugen. Wir haben alles verloren, was ein Haus zum Heim macht.
Noch am Brandabend ist eine Welle der Hilfsbereitschaft über uns hereingebrochen. In der Nachbarschaft fanden wir Trost und seelischen Beistand. Es wurde uns eine Wohnung vier Häuser weiter eingerichtet. Die Es wurden Matratzen und Essen gesammelt, so dass wir Fünf noch in derselben Nacht eine Bleibe hatten. Wir haben die ersten zwei Wochen alle in einem Raum, praktisch alle in einem Bett gelegen, von Schlafen konnte keine Rede sein. Und diese körperliche Nähe, dass wir uns alle anfassen konnten, haben wir auch gebraucht. Ein ganz herzliches Dankeschön an Familie Jahoda, die uns so selbstlos aufgenommen hat.
Noch während es brannte, kamen die ersten Freunde. Sie brachten das notwendigste und nahmen uns einfach in den Arm. Das hat uns wirklich gut getan, und wir haben es auch in dieser Schocksituation wahr genommen.
Ab dem nächsten Tag erlebten wir die Hilfsbereitschaft in unserem Ort sehr intensiv. Viele Freunde und Bekannte kamen rum, packten mit an, suchten in den Trümmern mit uns nach Gegenständen, die eventuell zu retten sein könnten. Und man mag es nicht glauben: Gläser und Geschirr, und waren sie noch so verkohlt, aus völlig verbrannten Schränken wurden von wirklich unzähligen Menschen aus dem Ort mit nach Hause genommen, immer wieder gewaschen und uns wie neu zurück gebracht. In den ersten zwei Wochen wurden wir täglich bis zu zweimal bekocht. Abends waren wir bei ganz vielen Menschen zum Essen eingeladen. Und mittags wurde uns Essen gebracht. Es war alles wirklich sehr lecker und mit viel Liebe gemacht. Wie man überhaupt sagen muss, dass das Wort Hilfsbereitschaft eigentlich zu schwach ist. Was uns begegnet ist, war Liebe. All das hat uns unendlich gut getan und uns davor bewahrt, im wahrsten Sinne des Wortes verrückt zu werden. Wir befinden uns nach wie vor in einer ganz tiefen Krise unseres Lebens, und manchmal fällt es verdammt schwer, morgens aufzustehen. Aber die Liebe aus dem Ort hat uns über Wasser gehalten. Zu der Welle der Hilfsbereitschaft gehört auch das völlig unkomplizierte Verhalten der Gemeindewohnungsbaugesellschaft. Wir haben von der GWG Unterstützung und Hilfe über alle Maßen erhalten. Auch die tägliche Hilfe und die Spendenaktion von Stefan Richter und des SV 1919 Woltersdorf sind nicht hoch genug einzuschätzen. Erst haben wir innerhalb der Familie überlegt, ob das nicht zu viel des Guten sei, denn finanziell bedürftig sind wir ja eigentlich nicht. Aber das Geld, das wir über diesen Spendenaufruf erhalten haben, hat uns über die größte Not hinweggeholfen. Der FV Erkner, bei dem ich als Trainer des SV Woltersdorf oft zu Gast war, hat sich der Aktion angeschlossen. Es war nicht nur eine finanzielle Unterstützung, sondern eine unglaubliche psychische Hilfe. Dass so viele Menschen uns helfen, hat uns sehr geholfen. Dabei auch ein ganz herzliches Dankeschön an den Woltersdorfer Verschönerungsverein und seine Vorsitzende Gisela Schuldt.
Das gleiche gilt für die vielen Kleiderspenden, die wir erhalten haben. In unserer ersten Wohnung sah es aus wie in einer Kleiderkammer. Viele, die in ersten Wochen bei uns ein- und ausgingen, haben diese Berge gesehen und uns beim Sortieren geholfen.
Bei Mrs. Sporty in Erkner, wo meine Frau Sport treibt, wurde ebenfalls für uns gesammelt. Hinter all diesen Spenden stecken ja nicht nur die Vereine, die das ins Leben gerufen haben, sondern viele, viele einzelne Menschen, die uns helfen wollten. Wir können gar nicht genug danke sagen.
Es gibt Bürger aus Woltersdorf, die haben bei Möbel-Kraft oder beim Otto-Versand unsere Situation geschildert und uns Gutscheine organisiert. Die Bäckerei Vetter spendierte uns einen dicken Gutschein.
Es waren wirklich so viele Helfer dabei. Gern hätte ich sie alle namentlich erwähnt. Wichtig ist mir eins: Keinen der genannten und vielen nicht genannten Helfer, auch die GWG oder die Vereine, mussten wir bitten zu helfen, sie waren einfach da. Inzwischen wohnen wir in einer möblierten 4-Raum-Wohnung, die uns Familie Riedel, die Inhaber der Fleischerei Fredrich, zur Verfügung stellen. Dass wir alle Fünf hier im Ort unterkommen konnten und unseren Alltag – so gut es geht – weiter bewältigen können, ist wirklich ein sehr glücklicher Umstand!
Jeden Tag arbeiten meine Frau und ich dafür, dass unser Haus so schnell wie möglich wieder aufgebaut wird. Wenn alles gut geht, könnte im Juli der Wiederaufbau des Holzhauses beginnen. Mein Ziel ist es, dass wir spätestens am 1. November wieder in der Schubertstraße wohnen. Dann hätten wir noch genug Zeit, das Haus so herzurichten, dass Heiligabend nicht nur der Weihnachtsbaum steht.
Der Ort hat wirklich zusammengestanden und uns nicht nur geholfen, sondern aufgefangen! Ein von Herzen kommendes, riesengroßes Danke unserer gesamten Familie an unser wunderbares Woltersdorf und seine Menschen!

Michael Hauke