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Knaupps Kolumnen

Von Michael Hauke
Fünfundzwanzig Jahre FW. Unser kleiner Verlag begeht ein stolzes Jubiläum. In dieser Zeit, in der sich meine Firmengründung zum fünfundzwanzigsten Mal jährt, schweifen meine Gedanken in die spannenden, aufregenden Zeiten zurück, in denen so viel Neues entstand.
Die DDR, die viele Menschen von heute gar nicht mehr kennengelernt haben und die eine Fußnote der deutschen Geschichte bleiben wird, war untergegangen. Die Wiedervereinigung war ein paar Monate alt. Die Aufbruchstimmung war überall mit Händen zu greifen. Am 1. März 1991 wurde unser Verlag gegründet.
Viele frische Selbständige waren mit Feuereifer dabei, sich eine neue Existenz aufzubauen. Zu diesen Pionieren gehörten auch mein Freund Andreas Baucik und ich. Wir waren damals 24 bzw. 21 Jahre alt und gründeten kurzerhand die erste Anzeigenzeitung für Fürstenwalde.
Ein Büro hatten wir nicht, die erste Ausgabe entstand in der elterlichen Wohnung von Andreas. Überhaupt war Gewerberaum sehr knapp. Als dann im Mietshaus in der Friedrich-Engels-Straße 5a/Ecke Max-Behnke-Straße (heute Robert-Havemann-Straße) eine Erdgeschosswohnung frei wurde, hatten wir Glück. Denn das Haus gehörte dem Vater und dem Onkel von Andreas. Die kleine Buchte war genau richtig für uns und schon früher gewerblich genutzt. Allerdings gefiel das dem Wohnungsamt überhaupt nicht und man versuchte, uns dort wieder rauszubekommen. Eine gewisse Hartnäckigkeit brauchten wir einfach, um weitermachen zu können. So blieben wir trotz Rauswurfdrohungen in dem alten Eckladen und machten dort auf unseren Rechnern die FW weiter. Wir verfügten damals weder über einen Scanner noch über ein Telefon. Was ein Handy ist, wussten wir auch nicht. Annährend Tag und Nacht verbrachten wir in unserer kleinen Firma, Angestellte hatten wir nicht. Alles, aber auch wirklich alles machten wir selbst.
Sie können sich vorstellen, was es für ein Schock für mich war, als unser kleines Team durch einen tragischen Verkehrsunfall auseinander gerissen wurde. Ein gutes Vierteljahr nach der ersten Ausgabe, die am 04.04.1991 erschien, verunglückte Andreas Baucik am 22. Juli 1991 tödlich. Noch heute steht der Name des damals jungen Mannes, der in diesen Tagen 50 Jahre alt geworden wäre, im Impressum der FW.
Objektiv mag unsere gemeinsame Zeit eine kurze gewesen sein, für mich war es die intensivste, wichtigste Zeit in der Firmengeschichte und sie kommt mir im Rückblick richtig lang vor. Ohne Andreas Baucik hätte es die FW und damit den Verlag und alles, was heute dazu gehört, nicht gegeben. Allein hätte ich das nie gemacht. Ich bin mir dessen stets bewusst und werde diese Jubiläumsausgabe in stillem Gedenken an seinem Grab niederlegen.
Der frühe, für mich unfassbare Tod meines Jugendfreundes war eine schwere Zäsur. „Die FW hat ihre Seele verloren“, schrieb ich in der nächsten Ausgabe auf Seite 3.
Ich ließ keine einzige Ausgabe ausfallen und empfand es auch als sein Vermächtnis, nicht aufzugeben und weiterzumachen.
Die Anzeigenkunden unterstützten mich als 22jährigen Bubi sehr herzlich, und so fasste ich neuen Mut.
Bereits 1992 gründete ich mit der „BSK“ für den damaligen Landkreis Beeskow die nächste Zeitung, 1993 kam die „SRB“ für den Kreis Strausberg auf den Markt. Bei einem kurzzeitigen Intermezzo 1994 in Frankfurt mit der „FF“ musste ich erkennen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Mit dem Zukauf der Randberliner Zeitung „Kümmels Anzeiger“ vervollständigte ich 1999 unser Portfolio.
Ich fokussierte mich auf die regionalen Zeitungen. Später wurde der Hauke-Verlag auch Herausgeber eines der auflagenstärksten Apotheken-Magazine in Deutschland. Aber dieses sehr erfolgreiche Kapitel ist inzwischen Geschichte.
Mit dem umsatzstärksten Ticketvertrieb im gesamten Osten Deutschlands einschließlich Berlins hat der Verlag inzwischen ein starkes zweites Standbein. Unter der Marke „Hauke-Tickets“ betreibt der Hauke-Verlag acht Vorverkaufsstellen in Berlin und Brandenburg.
Und alles das ist entstanden aus dem Elan zweier sehr junger Männer ohne Büro und auch ohne Telefon.
Es hat sich viel geändert. Inzwischen haben wir Telefon, aber auch Fürstenwalde ist sowohl vom Stadtbild als auch von der kulturellen Zusammensetzung seiner Bewohner mit der Stadt von 1991 nicht mehr vergleichbar. Wenn ich über die heutige Eisenbahnstraße laufe, wundere ich mich manchmal und lasse den Blick in die Vergangenheit schweifen und denke an vergangene Zeiten zurück.
Aber hören wir auf. Denn wenn ich jetzt auch noch schriebe, dass früher alles besser gewesen sei, denken Sie womöglich noch, ich sei alt geworden...